Washington - Frankreich fordert von den USA eine rasche politische Initiative im Nahen Osten. Durch die fortdauernde Lähmung des Friedensprozesses entstehe ein "gefährliches Vakuum" in der Region, welches den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ständig verschlimmere, warnte der französische Außenminister Dominique de Villepin am Donnerstag (Ortszeit) nach seinen Gesprächen mit US-Außenminister Colin Powell in Washington. "Wir dürfen die Initiative nicht länger den Terroristen und den Friedensgegnern überlassen", sagte Villepin wörtlich. Er drückte abermals die Hoffnung aus, dass sich das Projekt einer internationalen Nahost-Konferenz verwirklichen lasse. "Wir sind der Auffassung, dass wir den Terrorismus sehr energisch bekämpfen müssen. Zugleich müssen wir Reformen bewirken und Wahlen (in den Palästinensergebieten, Anm.) herbeiführen", unterstrich der französische Außenminister, der in der vergangenen Woche den Libanon, Syrien und Jordanien besucht hatte. Die palästinensische Führung hatte erklärt, dass sie sich nicht in der Lage sehe, die von Israel und den USA verlangten Reformen zu verwirklichen, wenn Israel seine Besetzung von sieben der acht großen Städte im Westjordanland aufrecht erhalte. "Es muss eine israelische Gegenleistung geben: die Aufhebung der Ausgehverbote und ein Ende der kollektiven Bestrafung der Palästinenser", sagte der palästinensische Informationsminister Yasser Abed Rabbo. Unter Okkupation seien die geplanten allgemeinen Wahlen Anfang nächsten Jahres nicht durchführbar. Die israelische Regierung hatte dagegen erklärt, die nach der Anschlagsserie im Juni erfolgte Wiederbesetzung palästinensischer Städte sei unbefristet. Villepin hatte angedeutet, die geplanten Wahlen in den Palästinensergebieten könnten von den Europäern organisiert werden. Eine internationale Nahost-Konferenz sollte nicht die "kompliziertesten Probleme" lösen, sagte der französische Außenminister in Washington, sondern vor allem einen neuen Impuls geben: "Sie sollte ein neuer Elan sein und alle Konfliktseiten unter Druck setzen, um eine Verständigung anzustreben".(APA)