Wien - Post-Generaldirektor Anton Wais lässt sich nicht beirren, er baut den gelben Riesen eisern um. Nicht einmal massive Qualitätsprobleme, die die Post-Kunden auf die Palme bringen, bringen ihn aus der Ruhe: "Wir haben derzeit massive Qualitätsprobleme", räumte Wais am Donnerstag in einer Pressekonferenz freimütig ein.Aber: Es werde demnächst besser, denn im September wird das neue Briefzentrum in Wien-Inzersdorf in Betrieb genommen, und dann kommen für 51 Prozent aller in Österreich verteilten Schriftstücke rosige Zeiten. Der Testbetrieb läuft bereits. "E+1" "E+1" heißt das Zauberwort für die schnelle Post: Ein Inlandsbrief muss binnen 24 Stunden vom Absender zum Empfänger gelangen. Damit sollten sich auch die Vorgaben des Verkehrsministeriums, in zwei Jahren 95 Prozent aller Briefsendungen binnen 24 Stunden von A nach B zu transferieren, locker erfüllen lassen. Das neue Wiener Briefverteilzentrum, das rund 110 Millionen Euro kostete und in dem rund 1200 Mitarbeiter im Dreischichtbetrieb Briefe sortieren, ist das größte seiner Art in Europa. Weitere 111 Mio. EURO wurden bzw. werden in Linz, Villach und in Tirol investiert. Ende 2004 sollte die bauliche und organisatorische Modernisierung abgeschlossen sein. Zäher Personalabbau Die erhofften Personaleinsparungen bringen die Maschinenparks offenbar aber doch nicht: Das Wiener Sortierzentrum wird "400 bis 500 Mitarbeitern" den Job kosten, früher war von rund 800 die Rede gewesen. Wais sieht sich bei der Personalrestrukturierung dennoch im Plan: Heuer wurden bereits 980 Vollzeitarbeitskräfte abgebaut, bis Jahresende sollen weitere 170 folgen. Damit sei die Hälfte der vor zwei Jahren verkündeten 6000 bereits geschafft, betonte Wais. 2003 sollen es etwas weniger sein. Da nur mehr zwölf Prozent der Bediensteten über 50 Jahre alt sind, ist der Vorruhestand kein probates Mittel mehr zum Personalabbau. Noch dazu sind 60 Prozent der Postler pragmatisiert, was Versetzungen sehr kompliziert mache. Bleiben (fast nur mehr) das Auslaufen befristeter Dienstverträge und der Aufnahmestopp sowie der Golden Handshake. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 11.7.2002)