Wien - 90 Prozent der österreichischen Vollerwerbsbetriebe, die Zahlungen aus der EU bekommen - bundesweit rund 45.000 Unternehmen - wären durch die von der EU-Kommission vorgeschlagene Kürzung der Direktförderungen betroffen. Unter Berücksichtigung der Nebenerwerbsbetriebe würden zwei Drittel aller heimischen Agrarunternehmen von den Fischler-Vorschlägen in Mitleidenschaft gezogen. Das haben am Donnerstag erste grobe Schätzungen des ÖVP-Bauernbunds ergeben. Begründet wurden diese starken Auswirkungen auf Österreichs Landwirtschaft, dass die stufenweise Absenkung ("Degression") bereits bei rund 15 Hektar Nutzfläche zu greifen beginne. Die durchschnittliche Unternehmensgröße in Österreich beträgt für Acker/Grünlandbauern zwischen 20 bis 25 Hektar, so der Bauernbund. Besonders stark von den Fischler-Vorschlägen betroffen wären Mutterkuh- und Stierhalter sowie Getreidebauern, hieß es auf Anfrage der APA. Wifo-Agrarexperte Matthias Schneider hält in erster Linie die Konsumenten für die Gewinner der EU-Agrarreform - wenn sie so umgesetzt würde, wie von Agrarkommissar Franz Fischler am Mittwoch vorgeschlagen. Von der Entkoppelung von Produktion und Direktzahlungen könnten tendenziell kleinbäuerliche Strukturen wie in Österreich stärker profitieren und auch die beabsichtigte Stärkung der so genannten 2. Säule der Agrarpolitik (Ländliche Entwicklung) müsste der Alpenrepublik eigentlich zugute kommen, meinte Schneider im "Morgenjournal". Die Entkopplung von (Produktions)Leistung und Zahlungen rufe jedoch bei vielen Bauern Ängste wach: "Da fragt man sich vielleicht, wie rechtfertigt sich das (die Zahlungen, Anm.) in drei oder fünf Jahren gegenüber dem Steuerzahler", meinte Schneider. Das gebirgige Österreich habe relativ ungünstige natürliche Produktionsbedingungen und hohe Produktionskosten. Wenn man das Signal gebe, dass künftig die Produktion nur mehr mit Marktpreisen ohne Stützungen geregelt werde, drohe eine Verlagerung der Produktion in nicht-gebirgige "Gunstlagen" - vielleicht sogar im Ausland, erläuterte Schneider. Fischler selbst hatte am Mittwochabend im ORF-Fernsehen die Ablehnung aus Österreich als nicht verständlich bezeichnet. Er könne nicht nachvollziehen, warum von einem "Schnitt durch das Herz" der österreichischen Landwirtschaft gesprochen werde. Durch seine Vorschläge würden sogar mehr als weniger EU-Beihilfen nach Österreich fließen. (APA)