Wien - Die traditionsreiche Hendl-Kette Wienerwald kämpft wieder gegen finanzielle Engpässe und gegen schwindende Kundenzahlen, berichtet der "Kurier". Lieferanten lieferten nur mehr gegen Barzahlung, rund 5 Mill. Euro an Lieferantenverbindlichkeiten werden kolportiert. Der neben Joern Hansen zweite Vorstand Oliver Blum habe sich Ende Juni verabschiedet, Mitarbeiter und Lieferanten nehmen gegenüber dem Blatt sogar das Wort "Ausgleich" in den Mund. Die Restaurantkette hat 1982 schon einmal diesen Weg beschreiten müssen. Geschäftsführer Hansen beschwichtigt in der Zeitung: "Von Ausgleich ist nicht die Rede." Wohl aber bestätige er ein sehr schwaches erstes Halbjahr und einen Umsatzrückgang "im einstelligen Bereich". Man habe im vergangenen Jahr alle defizitären Filialen geschlossen und werde in Österreich trotz der "allgemeinen Gastronomieschieflage" heuer ein positives Ergebnis erreichen. Wienerwald hält in Österreich nach Schließung von sechs Standorten aktuell noch 23 Restaurants. Zwei weitere Restaurants in Wien sind ebenfalls vom Zusperren bedroht. Der Mitarbeiterstand ist - ohne Schließungen - letztes Jahr um 10 Prozent auf rund 450 reduziert worden. "Nichts mehr gezahlt" Auf Lieferantenseite macht sich dem Bericht zufolge großer Unmut breit. Einer der nach eigenen Angaben größten Gläubiger, der schon jahrelang Kundenbeziehungen mit Wienerwald unterhalte, habe seine Wartungsverträge gekündigt. "Seit drei bis vier Monaten wird überhaupt nichts mehr gezahlt." Die Konsequenz, so der Lieferant, sei, dass die "Betriebssicherheit nicht zu 100 Prozent den Vorgaben entspricht". Ein weiterer Hinweis auf finanzielle Engpässe sei laut Mitarbeitern, dass das Urlaubsgeld nicht auf ein Mal, sondern in zwei Tranchen ausgezahlt werden müsse. Der 61-jährige Wienerwald-Chef will im "Kurier" zu solchen "Interna" keine Stellung nehmen. Der Kreditschutzverband (KSV) von 1870 stuft das Unternehmen "bei mittlerer Bonität" ein. Bankschulden hat Wienerwald keine mehr. Imageproblem Das Problem der Restaurant-Kette sei ihr Image. Die Geschäftsführung hat erkannt, dass sie nur mit mehr jungen Gästen überleben könne Der Frankfurter "Sanierer" Hansen forciertedeshalb Ideen wie Kinderspielecken. Weiters setzt er auf die Hauszustellung, die bereits mehr als 10 Prozent vom Umsatz ausmache. Als drittes Standbein will er noch heuer Bistros für "faster food" eröffnen. (APA)