Graz - Die massiven Ausbaupläne der "Grazer Messe Neu" versetzt die steirischen Architekten in Aufruhr. Der Kuchen - ein Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Tagungszentrum mit drei Hallen - ist groß: rund 72,7 Mio. Euro. Genau davon sollen sie aber nichts abbekommen. "Das Projekt wird so ausgeschrieben, dass sich nur ganz große Baufirmen daran beteiligen können, sechs bis acht österreichweit", empört sich Christian Andexer, Vorsitzender der Sektion Architekten bei der steirisch-kärntnerischen Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten. Haftung Die Crux ist die Kostendeckelung und die damit verbundene Haftung: Sie beträgt bei dem Totalunternehmerwettbewerb 60 Millionen Euro, was für kein Architekturbüro allein leistbar ist. Theoretisch könnten die Architekten zwar Arbeitsgemeinschaften mit ausführenden Firmen bilden, aber das verbietet das Ziviltechnikergesetz. Messepräsident Guido Held traut heimischen Architekten ein Projekt solcher Größenordnung einfach nicht zu. Zu hoch erscheint ihm das Risiko der Kostenüberschreitung, zu eng der Zeitplan. "Vor einem Jahr standen wir vor dem Aus. Wir haben Hallen, deren Lebensdauer abgelaufen ist, die technische Ausstattung ist nicht mehr zeitgemäß. Die Messe ist ein absoluter Sanierungsfall und muss möglichst schnell wieder bespielbar sein." Er bemühe sich trotzdem intensiv um eine starke Beteiligung der Architekten. Das ficht die für Klein- und Mittelbetriebe - zu denen auch die Architekturbüros zählen - zuständige FP-Stadträtin Maxie Uray-Frick nicht an. Für sie sind Messehallen "keine Bauten, wo ich Architekten brauche, sondern rein funktionell". Offener Wettbewerb

Schade um die vertane Architektur-Chance, findet der TU-Graz-Vizerektor, Johann Theurl. Er hat als Nutzungsvertreter in den vergangenen Jahren ein ähnliches Kostenvolumen wie das der Messe verbaut und versteht die Sorge des Messepräsidenten, schätzt aber das Risiko bei einem Totalunternehmerverfahren ebenfalls sehr hoch ein: "Warum dann nicht einen ganz normalen offenen Wettbewerb in der üblichen Art machen?"

Speziell bei Messebauten komme es auf eine gute Architektur an. Deshalb sollte das gesamte österreichische Architekturpotenzial und schon gar das der Grazer genutzt werden: "Die Bauindustrie und die Architekten sind längst in der Lage, einen Bau zeit- und budgetgerecht abzuwickeln." (Maria Nievoll, DER STANDARD, Printausgabe 12.7.2002)