Wien - Seit Juni gibt es einen ersten Vorstoß der EU, wie die ungeheuren digitalen Daten-und Dokumentenmengen der öffentlichen Hand kommerziell künftig genutzt werden sollen. Denn bis dato agiert die "Contentindustrie" überall in Europa im luftleeren Raum, wie die Mitglieder des Verbands für Informationswirtschaft (VIW) wissen. "Es gibt keine einheitliche Strategie, wie mit den öffentlichen Daten des Bundes - es geht nicht um personenbezogene Informationen - umgegangen werden kann", sagt VIW-Obmann Roland Führer. Dennoch ist er als Firmenvertreter des KSV, des Kreditschutzverbandes von 1870, ein Beispiel dafür, wie solche Daten für die Wirtschaft nutzbar gemacht werden können. Und es gibt bereits eine ganze Fülle von entgeltlichen Dienstleistungen, die darauf basieren. Milliarden-Potenzial Diese Branche könnte viel schneller wachsen, betont Verbandssekretär Gerhard Wagner. Eine Andersen-Studie aus dem Jahr 2002 hat ergeben, dass das Potenzial bei einer Verwertung EU-weit 68 Mrd. Euro beträgt und dabei viele Jobs entstehen würden. In dem nun verabschiedeten EU-Richtlinienvorschlag werden einige Verbesserungen für das Nutzungsprozedere angesprochen: Die öffentlichen Stellen sollen innerhalb von drei Wochen auf einen Verwertungsvorschlag für "allgemein zugängliche Dokumente" reagieren müssen, und sie sollen keine Exklusivverträge aushandeln dürfen. Standardisierte Lizenzverträge sollen entwickelt werden und Tarife öffentlich und kostenorientiert sein. Digitalisierungsfahrplan Außerdem will die EU, dass die Anbieter solcher Daten sich nur an eine Stelle wenden müssen, beispielsweise, wenn sie ein grenzüberschreitendes Projekt umsetzen wollen. Als Beispiel für ein solches Angebot führt Wagner das European Business Register an. Als ersten Schritt würde sich Wagner wünschen, dass innerhalb Österreichs die Zuständigkeitszersplitterung aufgehoben würde: "Selbst bei scheinbar homogenen Datenbeständen wie Rechtsinformationen muss man zu mehreren Ämtern pilgern, um die Verwertungsrechte einzuholen." Die Forderung wäre, eine Richtlinienumsetzung nicht abzuwarten, sondern schon jetzt einen Regierungsverantwortlichen für Content-Themen zu installieren. Außerdem: Einen Digitalisierungsfahrplan samt Finanzierung, vor allem für die kulturellen Einrichtungen. (ruz, DER STANDARD, Printausgabe 12.7.2002)