Graz/Wien - Die STANDARD-Veröffentlichung eines Geheimprotokolls, in dem zwei Frauen jahrelange sexuelle Belästigungen durch einen bekannten Grazer FPÖ-Politiker dokumentierten, hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. SPÖ und Grüne fordern die "Mitwisserin", Staatssekretärin Mares Rossmann, sowie die Grazer FPÖ-Spitze zum sofortigen Rücktritt auf. Magistratsintern wird eine Untersuchung eingeleitet.Der FPÖ-Politiker (DER STANDARD verzichtet aus Rücksichtnahme auf die beiden betroffenen Frauen auf die Namensnennung) hatte laut schriftlicher Dokumentation die beiden jungen Sekretärinnen jahrelang massiv sexuell belästigt. Es begann mit Fotoshootings im abgeschlossenen und mit Leintuch verhängten Büro auf dem Schreibtisch und endete mit drastischen Grapschereien. Von FPÖ-Spitze jahrelang vertuscht Die Affäre wurde von der FPÖ-Spitze - auch Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer ist dem Vernehmen nach schriftlich davon informiert worden - jahrelang vertuscht. Der ehemals ranghohe Politiker bekleidet noch heute ein verantwortungsvolles Amt im Magistrat und sitzt für die FPÖ im Gemeinderat. FP-Staatssekretärin Rossmann bestätigt, von den Umtrieben gewusst zu haben, zumal sie von den Frauen ins Vertrauen gezogen worden sei. Sie habe damals als angehende Stadträtin aber keine verantwortliche Position gehabt, "um weitere Schritte zu setzen". Man solle doch "die damals Verantwortlichen fragen". Der Grazer FPÖ-Chef, Vizebürgermeister Peter Weinmeister, will jedoch von nichts gewusst haben. Weinmeister zum STANDARD: "Ich habe damit nichts zu tun. Das sind Gerüchte, und mit Gerüchten beschäftige ich mich nicht. Außerdem sind das ganz persönliche Dinge." Es sei "nicht sehr geschmackvoll, sich mit so einer Sache überhaupt auseinander zu setzen". Beschuldigter FP-Politiker gelassen Der beschuldigte Politiker nimmt die Sache im STANDARD-Gespräch relativ gelassen: "Die Vorwürfe hat's schon einmal gegeben. Die Geschichte ist gegessen. Bei mir hat sich nie jemand beschwert. Ich war auch nie Gegenstand irgendeiner Untersuchung. Beide Damen haben sich nie bei mir beschwert und gesagt, das eine oder andere gefällt uns nicht. Mit der einen habe ich mich besonders gut verstanden. Und bezüglich des Vorwurfes der Fotos. Bitte: Die eine war ja ein Model, sie hat damals ganz besonders . . . na ja, sie hat für die Modelmappe Fotos gebraucht. Wenn ihr die Fotos nicht gefallen hätten, wäre es ja ein Leichtes gewesen, die Fototermine platzen zu lassen. Ich weiß nicht, was es Schriftliches über mich gibt, ist mir ehrlich gesagt auch wurscht." (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2002)