Kopenhagen - Der israelische Außenminister Shimon Peres will die Abhaltung der für Jänner geplanten palästinensischen Parlamentswahlen vom Stopp jeglicher Gewalt gegen Israel abhängig machen. "Jede Bombe kann jeden Zeitplan töten", sagte Peres am Donnerstag bei einem Besuch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Die Palästinenser würden "niemals unabhängig, wenn sie nicht ihre Extremisten unter Kontrolle bringen". "Kugeln und Stimmzettel" seien ebensowenig gleichzeitig möglich wie "Wahlen und Gewalt", betonte Peres. Zu der seit Wochen andauernden Militäraktion in den Palästinensergebieten sagte Peres, Israel wolle die Besetzungen nicht. Die Armee werde aber so lange in den Autonomiegebieten bleiben, wie diese "eine direkte und unmittelbare Gefahr für die israelische Sicherheit" bedeuteten. Israel hält seit rund drei Wochen sieben der acht größten Palästinenserstädte im Westjordanland besetzt. Der EU-Ratsvorsitzende Per Stig Möller rief Israel zum Rückzug aus den Autonomiegebieten auf. "Wenn wir freie und faire Wahlen haben wollen, müssen die israelischen Streitkräfte aus den palästinensischen Städten und Gebieten heraus sein", betonte der dänische Außenminister. Zugleich forderte Möller die Palästinenserführung dazu auf, "die Verantwortung für die Gebiete" zu übernehmen. Dänemark hat zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Peres: Israel unterstützt EU-Friedensplan Israel unterstützt Peres zufolge den Friedensplan der Europäischen Union für den Nahen Osten. Ministerpräsident Ariel Sharon begrüße den europäischen Vorschlag, internationale Arbeitsgruppen zu bilden, die eine Reform der palästinensischen Institutionen umsetzen helfen sollen, sagte Peres am Donnerstag in Kopenhagen nach einem Gespräch mit dem dänischen Außenminister und EU-Ratsvorsitzenden Per Stig Möller. Dem Vorschlag zufolge sollen die Arbeitsgruppen aus Vertretern des "Quartetts" gebildet werden, das die EU, die USA, die Vereinten Nationen und Russland im April für eine Koordination ihrer Nahost-Politik gegründet haben. Das "Quartett" tagt wieder in der kommenden Woche. Differenzen innerhalb der israelischen Regierung über den Weg zu einem Frieden mit den Palästinensern spielte Peres herunter: Weder die Palästinenser noch Israel hätten eine Alternative dazu, ihren Konflikt auf friedlichem Wege in Verhandlungen zu lösen, sagte er und betonte, die EU-Position werde auch insgesamt "im Großen und Ganzen" von Sharon unterstützt. Der Sozialdemokrat Peres vertritt eine moderate Haltung gegenüber den Palästinensern und ist dafür bereits mehrfach vom konservativen Regierungschef Scharon in die Schranken gewiesen worden. US-Präsident George W. Bush warb am Donnerstag in Telefonaten mit arabischen Staatschefs für seinen Vorschlag, nach einer Reform der Palästinenser-Regierung einen provisorischen Staat zu gründen. Bush habe in den Telefonaten für seine Vision eines Nahost-Friedens geworben, die er in seiner Rede am 24. Juni dargelegt habe, sagte ein US-Regierungssprecher in Washington. Damals hatte Bush eine neue Führung der Palästinenser als Voraussetzung für die Gründung eines Staates Palästina genannt, allerdings ohne Palästinenser-Präsident Yasser Arafat beim Namen zu nennen. Zahlreiche arabische Vertreter, aber auch UNO und EU haben diese Forderung zurückgewiesen. Jordaniens König Abdullah habe in dem Gespräch mit Bush darauf gedrängt, den Friedensprozess schnell wiederzubeleben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Petra. Das Leiden der Palästinenser unter der israelischen Besatzung müsse beendet werden. Ägyptens Präsident Hosni Mubarak und Bush seien überein gekommen, "weitere Gespräche zu führen, um die israelischen und palästinensischen Positionen einander näher zu bringen", berichtete die staatliche ägyptische Agentur.(APA/Reuters)