Brüssel - Die Finanzminister des Eurolandes haben zum ersten Mal eingeräumt, dass die Budgetziele in einigen Ländern im laufenden Jahr wohl nicht mehr einzuhalten sind. Dies liege teilweise an dem verspäteten Wirtschafts-Aufschwung, teilten die Minister am frühen Freitagmorgen in Brüssel mit. Die EU-Finanzminister beraten heute in Brüssel über die die Haushaltslage und den beginnenden Aufschwung in der Eurozone. EU-Währungskommissar Pedro Solbes erklärte: "Die Defizite sind zu hoch. Es muss das Nötige gemacht werden, damit 2003 oder 2004 nahezu ausgeglichene Haushalte erreicht werden." Portugal, wo für das vergangene Jahr eine überhöhte Neuverschuldung von fast vier Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) droht, sicherte zu, bis Ende des Monats eine genaue Zahl nach Brüssel zu übermitteln. Die Kommission will ein Defizitverfahren gegen Portugal einleiten, falls sich ein überhöhtes Defizit offiziell bestätigt. Auch Italien, Frankreich und Deutschland haben noch keine ausgeglichenen Budgets. Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti sicherte laut Solbes zu, dass Italien - wie schon früher zugesagt - bereits im kommenden Jahr einen nahezu ausgeglichenen Haushalt erreichen wird. Frankreich, wo im laufenden Jahr ein Defizit von 2,6 Prozent vom BIP erwartet wird, legte noch keine endgültigen Zahlen vor. Die Minister lobten den Stabilitätspakt von 1996 zur Absicherung des Euro als einen soliden Rahmen für die Wirtschaftspolitik. Die Minister und die Europäische Zentralbank (EZB) begrüßten die Höherbewertung des Euro. Das sei im Interesse der Eurozone mit zwölf EU-Ländern. "Der Aufschwung fasst langsam Fuß, allerdings etwas verspätet", sagte der neue Vorsitzende der Eurogruppe, der griechische Ressortchef Nikos Christodoulakis. Das Treffen wird am Vormittag im Kreis der Ressortchefs aller 15 EU-Länder fortgesetzt.(APA/dpa)