Barcelona - Nach neuen Berechnungen von UNAIDS haben weniger als vier Prozent der HIV-Infizierten in den Entwicklungsländern Zugang zu Medikamenten. Ein Projekt, das diesem Missstand entgegentritt, eröffnete in den zwei Jahren seines Bestehens allein in Afrika über 35.000 Menschen den Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. "Accelerating access to HIV/Aids care and treatment in developing countries" wurde auf Initiative von UNO-Generalsekretär Kofi Annan gegründet, steht unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen und wird von den sechs größten Pharmafirmen mitfinanziert. Das Ziel ist der Zugang von Aids-Medikamenten für einen Dollar pro Tag. Bereits 1998 gründete die UNO ein ähnliches Programm, das den HIV-Infizierten in den Entwicklungsländern die Behandlung ermöglichen sollte. "Die DAI (Drug Access Initiative, Anm.) hatte aber kein geeignetes Verteilungssystem. Es war nicht möglich, die Medikamente in Länder wie Uganda zu bringen", sagte Robert D. Lefebvre, Leiter von "Access" im Gespräch mit der APA. Mit der Hilfe des Pharmaunternehmens Bristol-Myers Squibb wurde schließlich ein solches Verteilungszentrum errichtet. "Die Regierung in Uganda war an DAI sehr interessiert. Sie waren einer der ersten, die einräumten, dass es Aids gibt und dass man etwas dagegen tun muss", erklärte Lefebvre. Doch trotz dieser Einstellung konnte die Regierung in Uganda die Medikamente, die DAI zur Verfügung stellte, nicht bezahlen. "Das mussten die Patienten selbst tun", sagte der Projektleiter. Kofi Annan war es, der von der Arbeit von DAI gehört hatte, und den Anstoß gab, etwas zugunsten der Versorgung der Patienten mit den teuren Arzneimittel zu unternehmen. Sechs Pharmaunternehmen - GlaxoSmithKline, Merck, Roche, Boehringer Ingelheim, Abbott und Bristol-Myers Squibb - schlossen sich unter der Schirmherrschaft der UNO zusammen und gründeten "Access". Das definierte Ziel war, den Prozess der Medikamentenversorgung zu beschleunigen, diese in ausreichender Menge und guter Qualität anzubieten und die Behandlung für möglichst viele Betroffene zu sichern, abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse der Länder. "Wir haben dann alle betroffenen Länder eingeladen, uns ihre Anliegen und Erfordernisse mitzuteilen", berichtete Lefebvre. "80 haben sich gemeldet. 19 davon sind jetzt im Programm." Im Jahr 2000 begann man in Afrika mit 9.264 Patienten, im Jänner 2002 waren es 35.551. "Das ist noch nicht wirklich ein Erfolg, es gäbe viel mehr Leute, die zu behandeln wären", sagte der Projektleiter. Als Grund für die noch zu geringe Anzahl nannte Lefebre den Geldmangel der Menschen, die negative Einstellung mancher Regierungen gegenüber der Krankheit und deren Behandlung sowie den Mangel an medizinischem Personal in diesen Ländern. Unterstützt wird "Access" in erster Linie von den Pharmafirmen, die ihre Preise reduzieren, und teilweise auch von den Regierungen. "Einige Regierungen in diesen Ländern hätten das Geld, um dieses Projekt mitzufinanzieren", sagte Lefebvre. "Manche tun das auch. Aber die meisten setzen andere Prioritäten." (APA)