Graz - Knapp die Hälfte der Todesfälle in Österreich geht auf Herz-Kreislauferkrankungen zurück. "Und das trotz immer besser werdender Therapie", so der Grazer Chirurg Karlheinz Tscheliessnigg. Er hat am Grazer Universitätsklinikum gemeinsam mit Kollegen aus der Kardiologie ein so genanntes Center of Excellence ins Leben gerufen.Effizienz der Patientenversorgung Ziel der Initiative ist es, durch bessere Netzwerkarbeit zwischen den Medizinern (vom Hausarzt bis zum Transplantationschirurgen) die Effizienz der Patientenversorgung zu steigern aber auch die Forschung voran zu treiben, erklärte der Transplantationschirurg im Gespräch. "Eltern" des "Center of Excellence - Heart Failure Center" - dem ersten in diesem Bereich in Österreich - sind die Unikliniken für Chirurgie (Leitung: Karheinz Tscheliessnigg) und die Klinische Abteilung für Kardiologie unter der Leitung von Werner Klein. "Wir sind hier eine Gruppe von rund 20 Medizinern", so Klein. Sie verstehen sich als Keimzelle für ein Netzwerk vom praktischen Arzt über niedergelassene Internisten und Kardiologen, Röntgenologen bis hin zum Herzchirurgen und Transplantationschirurgen und wollen verhindern, "dass sich die Patienten im medizinischen System verlaufen", so Tscheliessnigg. Netzwerk "Es fehlen klare Zuständigkeiten und Verbindungen zwischen den Behandlungsgruppen und daraus folgt, dass das die Patienten spät oder leider meistens zu spät in die jeweilige Behandlungsform eintreten", haben die beiden Grazer Mediziner erkannt. Verbessert werden kann die Situation durch Maßnahmen in den Bereichen Organisation und Kommunikation. "Unsere Idee ist es also, aus diesem Netzwerk etwas zu machen, wo wir Partner haben, die sich an klaren und transparenten, international anerkannten Richtlinien orientieren", so Tscheliessnigg. "Das bedeutet letztlich für den Patienten im Fall des Falles ein rascher Weitertransport wie im Stafettenlauf mit jeweils gesicherter qualitätsevaluierter Behandlung von unseren Partnern", ergänzt Klein. Das Organisationsmodell, das hinter dem Center of Excellence stehe, erlaube, dass jeweils der am besten geeignete Arzt des Netzwerkes den Patienten behandelt, sind die beiden Mediziner überzeugt. Therapiekonzepte Durch die intensivere interdisziplinäre Zusammenarbeit und bessere krankenhausinterne Organisation soll dem Patienten dann nicht nur in der Frühphase, sondern auch im Spital die jeweils optimale Betreuung zukommen. "Transparenz ist das Motto des Zentrums", so Tscheliessnigg. Diese soll durch regelmäßige Meetings des Experten-Teams, welches für jeden Patienten speziell zugeschnittene Diagnose- und Therapiekonzepte erstellt, gewährleistet werden. Das ganze soll von einer Qualitätssicherungskommission evaluiert werden. Mehrere Forschungsprojekte am Kompetenzzentrum Von Seiten der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) habe man "Unterstützung" für das Projekt zugesagt, so der Leiter der Grazer Uniklinik für Chirurgie, Karlheinz Tscheliessnigg. Zu konkreten Verhandlungen werde es allerdings erst im Herbst kommen. "Bisher haben wir weder mehr Geld, noch mehr Personal: "Wenn sie so wollen, gleichen wir durch persönliches Engagement die Schwächen aus". Dennoch ist er überzeugt, dass die Begeisterung, die derzeit herrsche, "auch auf die anderen überspringen wird". "Sie dürfen nicht glauben, dass man heute ein Center of Excellence gründet, und morgen ist alles besser", so Tscheliessnigg. Das Ganze sei vielmehr als "ein längerer Prozess des Überzeugens und des Besser-Werdens" zu verstehen. Am Weg zum größeren Netzwerk habe man allerdings schon erste interessierte Kollegen an den Landeskrankenhäusern von Leoben und Bruck/ Mur, aber auch schon Allgemeinmediziner, finden können. Mittlerweile hätten auch schon Privatversicherer Interesse an den Aktivitäten des "Herz-Kompetenzentrums" signalisiert. "Natürlich hat das Center of Excellence auch Forschungsschwerpunkte", so Tscheliessnigg. So arbeitet man u.a. an der Entwicklung an einer neuen Herzunterstützungspumpe gemeinsam mit dem Texas Heart Institute, eine Reihe von telemedizinischen Systemen wie die nichtinvasive Überwachung von Abstoßmechanismen nach Herztransplantationen, das telemedizinische Monitoring von Schrittmacherpatienten, sowie Stammzelltransplantationen in das versagende Organ.(APA)