Die deutsche Filmpublizistin Frieda Grafe ist laut Zeitungsberichten am Mittwoch (10. 7.) im Alter von 67 Jahren nach langer Krankheit in München gestorben. Grafe wurde die "Königin der deutschen Filmpublizistik" genannt. "Kinoerfahrung hat mehr mit Einbildung als mit Abbildung zu tun", lautete einer ihrer Leitsätze. Grafe wurde am 20. August 1934 im deutschen Mühlheim an der Möhne (Sauerland) geboren. Sie studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Münster, München und Paris, wo sie den "systematischen Kinobesuch" pflegte und den Filmen der "Nouvelle Vague" begegnete. Als eine der Ersten nahm sie die Lehren und Denkzusammenhänge der französischen Strukturalisten auf und setzte der ideologiekritischen Filmkritik die strukturalistisch geprägte Filmbetrachtung entgegen. Mehr als 120 Einzelbesprechungen und Aufsätze, Interviews und Glossen verfasste sie zwischen 1962 und 1973 für die monatliche Zeitschrift "Filmkritik", die als das Flaggschiff der jungen deutschsprachigen Filmkritik galt und deren Mitbegründer ihr Mann Enno Patalas war. Grafe gestaltete Radiosendungen, arbeitete für "Die Zeit" und verfasste kunstvolle Kurz-Filmtipps für die "Süddeutsche Zeitung". Sie schrieb umfangreiche Essays zu Lang, Lubitsch und Renoir und übersetzte, teilweise zusammen mit Patalas, Texte französischer Autoren zum Thema Film ins Deutsche. Im Jahr 2000 wurde sie zur Honorarprofessorin an der Universität der Künste in Berlin ernannt. Grafe arbeitete auch in Österreich, unter anderem gestaltete sie 1996 für die "Viennale" erstmals in Österreich eine großflächige dreiwöchige Filmschau zur "Nouvelle Vague". (APA)