Berlin - Dreieinhalb Monate nach ihrer Gründung hat die deutsche Bundeskulturstiftung 15 Projekte ausgewählt, die in den kommenden zwei Jahren mit knapp 23 Millionen Euro gefördert werden. Der Stiftungsrat verständigte sich auf drei Programme, innerhalb derer die Projekte entwickelt werden. In die osteuropäische Kulturszene werden sechs Millionen Euro fließen. Am (kommenden) Donnerstag will die Stiftung aus Hunderten eingereichten Anträgen im Gesamtvolumen von 200 Millionen Euro weitere förderungswürdige Projekte auswählen.Die Förderwürdigen Beschlossen wurden die Programme "Kunst und Stadt", "Regionaler Schwerpunkt Osteuropa" und "Kulturelle Aspekte der deutschen Einigung". Gefördert werden dabei sowohl Theateraufführungen als auch Bildende Kunst, Filme und Ausstellungen. Der Bund unterstützt die in Halle ansässige Stiftung in diesem Jahr mit rund 13 Millionen Euro, im Jahr 2003 mit 25 Millionen Euro und 2004 mit 38,3 Millionen Euro. Mit 750 Millionen Euro Kapitalstock ist die Stiftung die größte ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Unter anderem soll das Ausstellungsprojekt "Berlin-Moskau, Moskau-Berlin 1950-2000" von den Berliner Festspielen mit drei Millionen Euro unterstützt werden. Der deutsche Kulturstaatsminister Nida-Rümelin wies Vorwürfe zurück, damit den Etat der dem Bund zugeordneten Festspiele zu subventionieren. Dies sei ein eigenes Projekt, das die Festspiele allein nicht finanzieren könnten und das ansonsten nicht verwirklicht werden könne, betonte Nida-Rümelin, der dem Stiftungsrat vorsitzt. Ähnliches gelte für die Restaurierung des Films "Panzerkreuzer Potemkin", für den 160.000 Euro zur Verfügung gestellt würden, sagte der Kulturstaatsminister. Er solle auf der nächsten Berlinale gezeigt werden. Wie es dazu kam Nida-Rümelin äußerte sich erfreut über den breiten Konsens im Stiftungsrat, in dem 14 Vertreter der Bundesregierung, des Bundestages, der Länder und Kommunen, verschiedener Parteien und des Kulturlebens sitzen. Die Künstlerische Direktorin der Stiftung, Hortensia Völckers, betonte, sie wolle noch mehr Freiräume für Kultur in Deutschland schaffen. "Vor allem wer von den Künstlern gegen den Markt arbeitet, verdient unsere Unterstützung." Am Freitag legt die Kulturstiftung der Länder in Berlin ihren Tätigkeitsbericht vor, die nach Nida-Rümelins Vorstellungen in Zukunft einmal mit der Bundeskulturstiftung verschmelzen könnte. Die Befürworter einer gemeinsamen Stiftung haben laut Nida-Rümelin zugenommen. Die Idee einer nationalen Kulturstiftung stammt aus den 70er Jahren. Damals hatten Günter Grass und der damalige Bundeskanzler Willy Brandt eine solche Einrichtung vorgeschlagen. Die Verwirklichung scheiterte damals am Veto der Länder, denen eine institutionelle Verankerung nationaler Kulturbelange verdächtig erschien. Um nationales Kulturgut zu erhalten oder zurückzuerwerben, wurde 1988 die Kulturstiftung der Länder gegründet, die zur Hälfte vom Bund mitgetragen wird. (APA/AP/dpa)