Wien - Bis Ende des Jahres will die Wiener Börse ein neues Produkt handeln - so genannte Exchange Traded Funds (ETF). Zunächst ist dabei an die Einführung von Indexfonds gedacht. Darin sind alle Papiere eines Börseindex enthalten, damit folgt der ETF allen Bewegungen etwa des österreichischen Börsebarometers ATX, des deutschen DAX oder des Dow Jones Industrial Average in New York. Die Wiener Börse will ETF in einem eigenen Marktsegment zusammenfassen, dessen Name noch nicht fest steht.Vorteile Gegenüber "herkömmlichen Fonds" weisen ETF eine Reihe von Vorteilen auf, argumentiert Brauneis: Sie werden laufend an der Börse gehandelt, sind in ihrer Zusammensetzung transparent, wegen wegfallender Transaktionskosten deutlich kostengünstiger, und zudem können Market Maker die Liquidität unterstützen. Anfallende Dividenden können Anleger entweder lukrieren oder weiter veranlagen. Ziel eines Exchange Traded Fonds ist unter anderem die möglichst exakte Nachbildung der Kurs- und Rendite-Entwicklung eines zu Grunde liegenden Index. Dadurch fällt der aufwändige Recherchebedarf weg. Zudem gelingt es nur wenigen aktiv gemanagten Fonds, den jeweiligen Referenz-Index zu schlagen: Laut einer Studie der Princeton University von 1999 schnitten auf Sicht von zehn Jahren nur 16 Prozent der Investmentfonds besser ab als der jeweilige Index. Auf ATX bisher noch kein ETF Auf den heimischen Börseindex ATX gibt es übrigens noch keinen ETF. Die Wiener Börse hat die jüngsten Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten besser überstanden als andere Börsen, mit ETF wären daher relativ hohe Gewinne zu machen gewesen. In Deutschland, wo ETF im Jahr 2000 eingeführt wurden, erreichten die Umsätze jährlich 5 bis 6 Mrd. Euro. Ein Zehntel davon sei für den heimischen Markt vorerst wohl zu hoch gegriffen, sagte Börsevorstand Erich Obersteiner. Aufzulegen sind ETF von heimischen Kapitalanlagegesellschaften (KAG), mit denen derzeit Gespräche stattfinden. In den USA werden ETF bereits seit 1993 gehandelt und waren zuletzt sehr erfolgreich: Zwischen 1999 und 2001 hat sich das gehandelte Volumen in diesen Papieren verdoppelt. Ein ETF konnte bei seiner Einführung sogar die Microsoft-Aktie überflügeln. (APA)