Berlin - Für Lungenkrebs gibt es bisher kaum wirksame Möglichkeiten der Früherkennung. Deshalb hat diese Tumorart auch immer noch eine so schlechte Prognose, wie der Vorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft, Klaus Peter Hellriegel, berichtet. Doch mittlerweile haben nach seinen Angaben Onkologen, Chirurgen und Strahlenmediziner mit einer intensiven fachübergreifenden Zusammenarbeit Konzepte entwickelt, die den Betroffenen mit nahezu "maßgeschneiderten Therapien" helfen können.Strahlentherapie Ein wesentlicher Anteil daran komme der Strahlentherapie zu, die in den vergangenen zehn Jahren sowohl biologisch als auch technisch enorme Fortschritte gemacht habe, erklärte Reinhard Wurm von der Klinik für Strahlentherapie an der Berliner Charite. Die so genannte Radioonkologie, die es erst seit Ende der achtziger Jahre als eigenständiges medizinisches Fach gebe, habe sich neben der Chirurgie und der Chemotherapie zum dritten Standbein in der Krebsbehandlung entwickelt. Ähnlich wie die Zytostatika, die in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente, bremsen die Strahlen das Zellwachstum. Zielgerichtet bestrahlen Mit den neuen, hoch spezialisierten Geräten und Verfahren könne man Tumoren so zielgerichtet bestrahlen, dass das gesunde Gewebe weitgehend geschont wird, erklärte Wurm. Die Strahlentherapie wird auch keineswegs mehr in erster Linie nach einer Operation eingesetzt, um die Ansiedlung von Metastasen zu bremsen, sondern habe sich auch bei inoperablen Lungentumoren zur Schmerzlinderung bewährt. Neuerdings kommt sie auch im Zusammenspiel mit der Chemotherapie als so genannte neoadjuvante Radio-Chemotherapie (RCT) vor der Operation zum Einsatz. In vielen Fällen sei es mit dieser Kombination möglich, den Tumor zum Schrumpfen zu bringen. Damit vergrößere sich die Chance, ihn bei einer anschließenden Operation völlig zu entfernen, betonte Wurm. In den ersten Entwicklungsstadien liegen die Heilungschancen bei 70 Prozent Die Mehrzahl der Betroffenen, nämlich rund 80 Prozent, erkranken an einem so genannten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom. In den beiden ersten Entwicklungsstadien, in denen das Geschwür noch relativ klein sei, könne eine Operation in bis zu 70 Prozent der Fälle eine Heilung erreichen, erklärte der Thorax-Chirurg Klaus Gellert vom Oskar-Ziethen-Krankenhaus in Berlin-Lichtenberg kürzlich beim 11. Berliner Onkologischen Sommerseminar. Überlebenschancen sind um das Dreifache gestiegen Mit den fachübergreifenden Behandlungsmethoden sei die Überlebenschance mittlerweile selbst bei fortgeschrittenen Tumoren mit Lymphknotenbefall um das Dreifache gestiegen. In Berlin finde vor jeder Behandlung ein "Staging" statt, bei dem der Patient und die beteiligten Ärzte gemeinsam eine maßgeschneiderte und individuell an den Patienten und seinen Tumor angepasste Therapie erstellten, sagte Gellert. Die einzige wirklich effiziente Vorbeugung gegen Lungenkrebs sei das Nicht-Rauchen, stellten die Fachärzte übereinstimmend fest. "Man kann nicht oft genug auf die Folgen des Rauchens hinweisen", betonte Hellriegel. Lungenkrebs sei in rund 90 Prozent der Fälle auf das Rauchen zurückzuführen. Immer mehr Frauen betroffen Noch vor rund zehn Jahren sei es eher eine Männerkrankheit gewesen, inzwischen hätten die jungen Frauen jedoch kontinuierlich aufgeholt. "Das Bronchialkarzinom gehört inzwischen zu den fünf häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen", sagte Hellriegel. Landesweit erkranken rund 38.000 Menschen jährlich an einem Bronchialkarzinom - Tendenz steigend. (APA/AP)