Madrid/Wien - Wegen ihrer Lage einige Hundert Meter vor dem afrikanischen Festland ist die Insel Perejil von großem strategischen Interesse für Spanien. Ansonsten gedeihen auf dem unbewohnten Eiland von der Größe eines Fußballfelds, das Marokko am Donnerstag eingenommen hat, nur einige Büsche. In den vergangenen Jahrhunderten haben verschiedene Mächte Appetit auf die Petersilien-Insel gehabt, darunter auch die USA und Großbritannien. Sie liegt westlich von der auf afrikanischem Festland liegenden spanischen Kolonie Ceuta, die von Marokko ebenfalls als Teil seines Territoriums angesehen wird.Beherbergt Überreste eines Turms und eines Brunnens Im Inneren der Insel gibt es eine große Höhle, die etwa 200 Personen aufnehmen kann und in dem sich Überreste eines unter portugiesischer Herrschaft errichteten Turms und eines Brunnens befinden, berichtet die spanische Tageszeitung "El Pais" in ihrer Internetausgabe. Der enge Meeresabschnitt, der die Insel vom afrikanischen Festland trennt, wird von Booten oft als Schutz vor Unwettern aber auch von Schmugglern als Unterschlupf benützt. Spanien entsandte im Jahr 1808 Truppen auf die Insel Bis zum Jahr 1581 war Perejil unter portugiesischen Besitz. Gemeinsam mit Ceuta wurde es in diesem Jahr von den Spaniern übernommen, was in einem Vertrag im Jahr 1668 formell bestätigt wurde. Im Jahr 1808 schickte Spanien auf Anraten Großbritanniens Truppen auf die Insel, um die lediglich zwölf Kilometer breite Straße von Gibraltar vor den Schiffen des damaligen französischen Kaisers Napoleon zu beschützen. Daraufhin gelangten auch Truppen von der britischen Kolonie Gibraltar (Madrid beansprucht den Felsen in Südspanien für sich) als Verstärkung auf Perejil. Verhandlungen mit den USA Im Jahr 1836 begannen schließlich die USA mit Verhandlungen, um die Erlaubnis für die Einrichtung eines Kohlelagers auf der Insel zu bekommen. Dies scheiterte jedoch am Veto Großbritanniens. Im spanisch-französischen Vertrag von 1912, mit dem die Einflusszonen beider Kolonialmächte in Marokko festgelegt wurden, wurde auf Perejil nicht Bezug genommen. Gleichwohl wurde sie nach Einrichtung des Protektorats von Spanien eingenommen. In den 1990er Jahren protestierte Marokko bei Spanien, weil die Insel in einem von der damaligen sozialistischen Regierung in Madrid vorgelegten Entwurf für das Autonomiestatut von Ceuta vorkam. Im endgültigen Text wurde sie dann nicht mehr erwähnt. Trotzdem sieht Spanien die Insel als unter seiner Souveränität stehend an. Umfrage: 84 Prozent der Spanier für Rückeroberung "mit Einsatz von Gewalt" In einer von der Internetausgabe der spanischen Tageszeitung "El Mundo" veröffentlichten Online-Umfrage sprechen sich 84 Prozent der Teilnehmer dafür aus, dass Spanien die Insel "mit dem Einsatz von Gewalt" von Marokko zurückerobern solle.(APA)