Linz - Eine ernste Warnung hat das Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität in Linz am Freitag in einem Diskussionspapier im Zusammenhang mit dem Kyoto-Klimaschutzprotokoll ausgesprochen. Es bestehe die Gefahr, dass Österreich beim Weg zum Kyoto-Ziel am Verkehr scheitere. Die Autoren fordern deshalb von der Bundesregierung umfassende und rasche Maßnahmen zur Senkung der Emissionen beim Verkehr. Der Leiter des Energieinstitutes, Universitätsprofessor Friedrich Schneider und der Assistent Harald Proidl verweisen darauf, das sich Österreich dazu verpflichtet habe, seine Treibhausgas-Emissionen bis zum Zeitraum 2008/2012 um 13 Prozent gegenüber 1990/1995 zu senken. Im Zeitraum 1990 bis 2000 seien sie aber um drei Prozent auf 79,75 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gestiegen. Schwankungen Dabei habe es Schwankungen gegeben, doch sei ein tendenzieller Anstieg zu erkennen, Österreich entferne sich von der Zielerreichung, stellen die Autoren des Diskussionspapiers fest. Im Vergleich dazu: Die EU befinde sich bei der Reduktion der Treibhausgase im Plan. Seit 1990 seien die Emissionen um 3,5 Prozent verringert worden. Das entspreche der Hälfte des EU-weiten Zieles von acht Prozent bis 2010. Die gesamten zusätzlichen Emissionen in Österreich seien beinahe ausschließlich dem Verkehr zuzuschreiben. Dieser sei im Jahr 2000 für 23 Prozent der Treibhausgase verantwortlich gewesen. Seit 1990 weise er eine Steigerungsrate von 31 Prozent auf, ebenfalls ein Plus - 2,01 Prozent - weise sonst nur die Industrie auf, während in allen anderen Bereichen rückläufige Emissionen registriert worden seien: Raumwärme und Kleinverbrauch minus 3,1 Prozent, Energieaufbringung minus 3,4 Prozent, Abfall minus 15 Prozent und Landwirtschaft minus elf Prozent. Diese Einsparungen reichten jedoch bei weitem nicht aus, um den starken Anstieg im Verkehr zu kompensieren. Dieser Anstieg liege auch bereits um fünf Prozentpunkte über den 25 Prozent Zuwachs, die dem Verkehr im Kyoto-Maßnahmenpaket der Bundesregierung zugestanden worden seien. Der eingeräumte "Kredit" sei somit aufgebraucht, jetzt müsste gespart werden. Einer Trendumkehr würden aber der zunehmende Güterverkehr auf der Straße widersprechen, weiters der wachsende Fahrzeugbestand, erhöhter Kraftstoffverbrauch sowie erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Erweiterung der Union. Wenn die Bundesregierung nicht gegensteuere, müssten die vom Verkehr nicht eingesparten Emissionen durch andere Bereiche kompensiert werden. Das benachteilige diese, sie müssten zu noch stärkeren Einsparungen als vorgesehen gezwungen werden. Schneider und Proidl sind der Meinung, dass von der Bundesregierung beim Verkehr "einschneidende Maßnahmen" ergriffen werden müssten. Es sollten technologische Entwicklungen forciert sowie Veränderungen des Fahrverhaltens - unter anderem Tempolimits und Geschwindigkeits-Überwachung - bewirkt werden. Außerdem müsste der Verkehr auf österreichischen Straßen verringert werden, etwa durch den Ausbau der Schiene und eine effektive Kilometer-bezogene Maut für Lkw sowie Anreize für private Haushalte zum Umstieg vom Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel. Das würde nicht nur im Bereich der Emissionen positive Auswirkungen haben, sondern würde auch im Bereich der externen Kosten - beispielsweise Verkehrslärm und Unfallkosten - Vorteile für die österreichische Volkswirtschaft bringen. Je länger man damit warte, desto kostspieliger und desto unrealistischer werde es, das von der Regierung beschlossene Kyoto-Ziel zu erreichen, warnen die beiden Autoren. (APA)