Walldorf - Eine Flut von Herabstufungen durch Analysehäuser und Investmentbanken ist am Freitag über die Aktie des Softwareriesen SAP hereingebrochen. Dennoch erholte sich das Papier zu Wochenschluss leicht von seinem Kurssturz am Vortag. Allein sechs große internationale Banken reduzierten am Tag nach der Korrektur der Erwartungen durch das Softwarehaus ihre Gewinnschätzungen und Kursziele, nicht alle nahmen jedoch ihre Empfehlungen zurück. Die Deutsche Bank senkte zwar das Kursziel für ein "Worst-Case-Szenario" auf 100 Euro von 130 Euro, bekräftigte aber ihre Kaufempfehlung. Goldman Sachs behält die Aktie auf seiner Empfehlungsliste, obwohl die Gewinnschätzungen deutlich gesenkt wurden. Lehman Brothers senkte das Kursziel auf 100 von 170 Euro, sieht das Papier auf dem jetzigen Niveau aber weiter als "starken Kauf". Bis zum Nachmittag erholten sich SAP-Aktien im Xetra-Handel um 3,4 Prozent auf 77 Euro, nachdem sie am Tag zuvor um 14 Prozent eingebrochen waren. Merrill Lynch: "Neural" Langfristig setzten einige Analysten weiter auf die Stärke des größten europäischen Softwareherstellers. Die Analysten von Merrill Lynch sehen die Aktie auf mittlere Sicht zwar nur noch als "Neutral" und nicht mehr als "Kauf", halten aber an ihrer langfristigen Einschätzung als "starker Kauf" fest. Kurzfristig sind die Merrill-Lynch-Experten pessimistisch: Ob die gesenkten neuen Ziele - ein Umsatzwachstum von fünf bis zehn Prozent 2002 - wenigstens erreichbar seien, halten sie für zweifelhaft. Sie sähen vor allem Anzeichen für einen schwächeren Lizenzumsatz. Die WestLB stieß in das gleiche Horn: Selbst fünf Prozent mehr Umsatz seien eine Herausforderung für SAP, der Umbau des Vertriebs werde einige Zeit dauern. Analyst Norbert Loeken traut dem Konzern nur ein Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr zu und hat sein Kursziel auf 67 Euro gesenkt. Die SAP-Aktie werde sich schwächer entwickeln als der Gesamtmarkt ("Underperform"). Auch die angepeilte operative Gewinnmarge von 21 Prozent sei allzu ambitioniert. Robertson Stephens: "Market Perform" Er gehe von einem Rückgang auf 18,6 Prozent aus. Für die zweite Jahreshälfte 2002 rechnet der WestLB-Experte mit einer leichten Verbesserung, doch werde der negative Trend bei den lukrativen Softwarelizenzen anhalten. Erst im nächsten Jahr seien wieder ein Umsatzwachstum von zehn bis zwölf Prozent und eine Marge von 19,6 Prozent möglich. Robertson Stephens stufte die Aktie auf "Market Perform" von "Buy". Kurzfristig sehe SAP selbst keine Erholungstendenzen. Das Geschäft in Europa, wo SAP im abgelaufenen Quartal allein noch zugelegt hatte, werde sich verschlechtern. (APA/Reuters)