Jerusalem - Die Palästinenser wollen eine mögliche Verurteilung des inhaftierten Fatah-Führers Marwan Barguti durch ein israelisches Gericht nicht akzeptieren. Israel habe kein Recht darauf, Barguti oder anderen Palästinenserführern den Prozess zu machen, erklärte Chefunterhändler Saeb Erakat in Jerusalem. Israel habe offenbar "alle unterschriebenen Verträge annulliert", sagte Erakat mit Blick auf die Autonomieabkommen. Der israelische Rundfunk berichtete am Freitag, Barguti solle für mehrere Jahre in ein europäisches Land verbannt werden. Das sehe ein von Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz in Grundzügen vereinbarter Gefangenenaustausch vor. Neben dem Fatah-Führer sollen demnach etwa 100 von den Israelis festgenommene Palästinenser und mehrere Libanesen frei kommen. Im Gegenzug wolle die Hisbollah einen israelischen Geschäftsmann freilassen. Das israelische Justizministerium hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass Barguti vor ein Zivilgericht und nicht vor ein Militärgericht gestellt werden solle. Barguti war im April von der israelischen Armee festgenommen worden. Jerusalem wirft ihm vor, die El-Aksa-Brigaden zu leiten, die für etliche Selbstmordattentate verantwortlich sind. Die Zahl der am Freitag getöteten beziehungsweise ihren Verletzungen erlegenen Palästinenser ist mittlerweile auf vier gestiegen. Nach palästinensischen Angaben starb in Kalkilya ein 26-Jähriger an Verletzungen, die er am Vortag bei einem israelischen Angriff erlitten hatte. In einem Krankenhaus in Jenin war zuvor ein palästinensischer Presse-Fotograf gestorben, der ebenfalls bei einem israelischen Angriff verletzt worden war. Bei einem israelischen Vorstoß im Gazastreifen waren in der Nacht zum Freitag ein palästinensischer Marinepolizist und ein 13-Jähriger ums Leben gekommen. (APA/dpa)