Wien – Ex-VP-Bundesparteiobmann und Altvizekanzler Erhard Busek und der seinerzeitige VP-Klubobmann und ehemalige Zweite Nationalratspräsident Heinrich Neisser missbilligen gegenüber dem am Montag erscheinenden Wiener Nachrichtenmagazin "profil" das Verhalten von ÖVP-Chef Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der Affäre um die umstrittenen Aussagen von FP-Volksanwalt Stadler.

Busek, Vorgänger Schüssels an der Parteispitze, erklärte laut "profil": "Die ÖVP hat eine viel zu bedeutende Geschichte beim Aufbau des Österreich-Bewusstseins, als dass sie es sich leisten könnte, ständig nichts zu sagen, nur um nicht eine Koalition zu verlieren." Kritik übt der Ex-ÖVP-Obmann auch an den Vertretern der katholischen Kirche, die zum Fall Stadler geschwiegen hätten.

Klare Absage vermisst

Neisser vermisst laut "profil" in Schüssels Ansprache im Parlament "eine klare Absage an das Geschichtsverständnis Stadlers". Nach Meinung des früheren Zweiten Nationalratspräsidenten, der den Rücktritt Stadlers fordert, sollte die ÖVP-Spitze "viel energischer gegen Stadlers Geschichtsbild auftreten". Schüssels Bemerkung, man müsse die Geschichte "als Ganzes" sehen, hält Neisser für kontraproduktiv: "Das ist doch Wasser auf die Mühlen Stadlers, der einen Bogen von 1934 bis 1955 gespannt hat."

Stadler fühlt sich durch Bundeskanzler bestätigt

Stadler fühlt sich unterdessen durch Schüssels Erklärung vor dem Nationalrat bestätigt und erklärte im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Presse", der Kanzler sei auf seine, Stadlers, Argumentationslinie geschwenkt. Zentrale Passagen der Rede Schüssels würden jenen im Brief des Volksanwalts an den Bundespräsidenten gleichen.(APA)