Belgrad - Die jugoslawischen Behörden haben vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eine bindende Vorladung für den serbischen Polizeifunktionär Dragan Karleusa erhalten, meldete der Belgrader Sender "B-92". Nach Angaben des Senders handelt es sich um die gleiche Vorladung, die am vergangenen Donnerstag auch dem früheren jugoslawischen Präsidenten Zoran Lilic zugestellt worden war. Den Zeugen droht eine Haftstrafe in Höhe von sieben Jahren, wenn sie der Vorladung nicht Folge leisten. Der stellvertretende Leiter der Direktion für öffentliche Sicherheit im serbischen Innenministerium, Karleusa, soll wie Lilic im Prozess aussagen, der seit 12. Februar gegen Ex-Präsident Slobodan Milosevic wegen Kriegsverbrechen im Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Kroatien geführt wird. Karleusa war im Vorjahr mit der Ermittlung über mehrere Massengräber in Serbien befasst. Bisher sind rund 400 Leichen, vermutlich Kosovo-Albaner, ausgegraben worden. Weitere Ausgrabungen stehen bevor. Im Prozess gegen Milosevic soll in etwa zehn Tagen auch der frühere serbische Geheimpolizeichef Rade Markovic aussagen. Die Gattin von Ex-Präsident Lilic Ljiljana, hat gegenüber Belgrader Medien erklärt, dass sie und ihr Sohn in anonymen Telefonanrufen mit dem Tod bedroht worden seien, würde Lilic mit seiner Aussage seinen Amtsnachfolger Milosevic belasten. Das jugoslawische Regierungskomitee wird Anfang kommender Woche über den Antrag von Lilic entscheiden, ihn von der Pflicht der Wahrung von Staatsgeheimnissen zu entbinden. Andernfalls dürfte sich Lilic nach seiner Rückkehr aus Den Haag mit einem Strafverfahren in seinem konfrontiert sehen. Das selbe gilt auch für Karleusa. Markovic war der Pflicht der Wahrung von Staatsgeheimnissen bereits entbunden worden. (APA)