Wien - In scharfer Form hat FP-Volksanwalt Ewald Stadler die Pressefreiheit angegriffen. In einem Interview in der aktuelle Ausgabe des Wochenblattes "Zur Zeit" bedauerte Stadler auf eine Frage nach "Schnüffeleien der linken Journaille gegen volkstreue Politiker", dass die "Propagandisten unseres Zeitgeistes auch unter der neuen Regierung weiterarbeiten können, so als ob es nie eine politische Änderung gegeben hätte". Er fühle sich "an einen Metternichschen Überwachungsstaat" erinnert.Weiters meint der Volksanwalt, er habe "klar jeden Vergleich der Besatzungszeit mit dem NS-Unrechtsstaat abgelehnt", obwohl der ORF mehrfach versucht habe, ihm "das in den Mund zu legen". Eine derartige Unterstellung sei "infam und niederträchtig". Um Stadlers Äußerungen zur NS-Zeit und der Befreiung durch die Allierten war zuletzt eine heftige politische Debatte entbrannt. In einer "Feuerrede" bei einer öffentlich zugänglichen Sonnwendfeier in Niederösterreich hatte der Volksanwalt gemeint, dass Österreich 1945 "angeblich" vom Faschismus befreit wurde. In einem ORF-Interview wollte er sich nicht festlegen, ob die Naziherrschaft oder die Besatzungszeit der Alliierten schrecklicher gewesen wäre. In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Format" verglich Stadler die NS-Zeit und die Alliierten mit "Pest und Cholera". Ein Video der Feuerrede bei der Sonnwendfeier war der Redaktion von derStandard.at und dem ORF zugespielt worden. Daraufhin hatten Vertreter aller vier Parlamentsparteien Stadlers Aussagen und sein Geschichtsbild heftig kritisiert. Windholz: Alliierte waren ein Verbrecherregime In der selben Ausgabe von "Zur Zeit" meint der niederösterreichische FP-Landesrat Ernest Windholz, dass Ewald Stadler "mutige Worte gefunden" habe. Die Besatzungszeit dürfe "kein Tabuthema sein", sowohl die Naziherrschaft als auch die alliierte Besatzung "waren beides Verbrecherregime". Das Wochenblatt "Zur Zeit", das vom FP-Berater Andreas Mölzer herausgegeben wird, wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als "Vorfeldorgan des Rechtsextremismus" klassifiziert. Auch im Rechtsextremismus-Bericht des Innenministeriums aus dem Vorjahr wird Kritik geübt, da im Rahmen eines Artikels "die Existenz von Gaskammern im Dritten Reich geleugnet sowie die sechs Millionen NS-Opfer in Frage gestellt" wurden. Im November des Vorjahres trafen sich auf Einladung von "Zur Zeit" zum Anlass des vierjährigen Bestehens des Mediums auf der Burg Kranichberg in Niederösterreich die Spitzen des europäischen Rechtsextremismus. Unter anderem anwesend waren die Parteichefs Istvan Csurka (Wahrheits- und Lebenspartei, Ungarn), Filip deWinter (Vlaams-Blok, Belgien) und Bruno Megret (Mouvement National Republicain, Frankreich, von Front National Le Pens abgespalten), der frühere Innensenator von Berlin, Heinrich Lummer (CDU) und der deutsche rechtsextreme Ideologe Alfred Mechtersheimer. Seitens der FPÖ nahmen die niederösterreichische Klubobfrau Barbara Rosenkranz, der Historiker und FP-Berater Lothar Höbelt und Ewald Stadler teil. Trotzdem bezieht das Medium Presseförderung. Diese wurde "Zur Zeit" im Vorjahr erstmals von der blauschwarzen Regierung zugebilligt. Ausbezahlt wurden mehr als 62.000 Euro.