Wien - Die Grünen haben Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) dazu aufgefordert, bei EU-Kommissionspräsident Romano Prodi seinen schärfsten Protest gegen den geplanten Export von Atomkraftwerken in Entwicklungsländer einzulegen. "Die Pläne von EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio müssen sofort im Keim erstickt werden", betonte die grüne Umweltsprecherin Eva Glawischnig am Sonntag in einer Aussendung. Es handle sich um eine klare Kompetenzüberschreitung der Kommissarin, "die umgehend von den Mitgliedsländern in ihre Schranken verwiesen werden muss".Energiekooperation mit Entwicklungsländern Nach Angaben der Grünen plant De Palacio demnächst ein Papier für eine "Energiekooperation mit Entwicklungsländern" zu beschließen. Das Dokument diene als Vorbereitung der EU auf den Ende August stattfindenden Welt-Umwelt-Gipfel in Johannesburg. Der Entwurf dazu sehe vor, der Atomindustrie "unter dem Deckmantel des Klimaschutzes" neue Aufträge zu bescheren. Dies stehe "in krassem Widerspruch zu internationalen Umweltschutz-Übereinkommen wie beispielsweise dem Kyoto-Protokoll", kritisierte Glawischnig. "Die Industrieländer halten seit einem Jahrzehnt ihr Versprechen gegenüber den Entwicklungsländern nicht ein, die Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des BIP anzuheben. Das vorrangige Ziel der Armuts- und Hungerbekämpfung wird sich mit teuren neuen Atomkraftwerken sicher nicht lösen lassen." Glawischnig erinnerte Schüssel an einen am vergangenen Donnerstag gemeinsam verabschiedeten Entschließungsantrag der Grünen mit den Regierungsparteien: "Hierin wurde eindeutig festgehalten, dass Österreich sein Anti-Atom-Engagement auf EU-Ebene forcieren muss." (APA)