Belgrad - Serbien soll in den nächsten Tagen ein Gesetz zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität bekommen. Der von der serbischen Regierung nach dem Vorbild ähnlicher Gesetze in Italien, Slowenien und Kroatien angefertigte Gesetzesentwurf sieht die Schaffung einer Sonderstaatsanwaltschaft vor, die sich mit dem Problem des organisierten Verbrechens befassen soll. Alle einschlägigen Prozesse sollen ausschließlich vor dem Belgrader Kreisgericht stattfinden, wo eine 15-köpfige Richtergruppe zuständig sein soll. Kritiker des Gesetzesentwurfes behaupten, dass die breiten Befugnisse des Sonderstaatsanwaltes auch eine große Gefahr der Menschenrechtsverletzungen bergen würden. Laut einer Studie des serbischen Innenministeriums vom Jahresbeginn sind in den 30 größten Städten zur Zeit 50 Mafia-Gruppen mit 230 Angehörigen aktiv. Weitere 59 Personen wurden von der Polizei als "Einzelgänger" auf dem Gebiet der Organisierten Kriminalität verbucht worden. Die Belgrader Tageszeitung "Danas" berichtete in ihrer Wochenendausgabe, in Belgrad seien 13 Mafia-Gruppen von der Polizei registriert worden. Drei davon gelten als besonders gut organisierte internationale Kokain- und Heroinschmuggler. "Die starke serbische Mafia bereitet sich auf ein Duell mit dem Regierungsbündnis vor, das der Organisierten Kriminalität ein Ende setzen will", sagte der stellvertretende Vorsitzende der internationalen Polizeivereinigung zur Bekämpfung des Rauschgifthandels, Marko Nicovic. Unter Berufung auf Nicovic meldete der Belgrader Sender "B-92", dass acht serbische und zwei montenegrinische Mafiabosse die Bildung einer "Familie" erzielt ihre und "Arbeitsgebiete" aufgeteilt hätten. Eine Mafia-Untergruppe widmet sich demnach nur Drogen, die anderen dem Waffenhandel und der Prostitution. Der jugoslawische Innenminister Zoran Zivkovic erklärte unlängst, in Serbien gebe es keinen Spitzenpolitiker mehr, der direkten Kontakt zur Unterwelt unterhalte, wie dies in der Ära von Ex-Präsident Slobodan Milosevic üblich gewesen sei. Es gebe jedoch Kontakte zwischen der organisierten Kriminalität und der Polizei auf unteren Ebenen, sowie mit gewissen Staatsanwälten und Richtern, sagte der Innenminister. "Im Vergleich zu Russland ist das bei uns ein Kindergarten", betonte der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic. Ungeklärt ist nach wie vor die Ermordung eines hohen serbischen Polizeifunktionärs Anfang Juni. Bosko Buha hatte wiederholt auf die Bemühungen von serbischen Mafia-Bossen hingewiesen, im serbischen Regierungsbündnis einen neuen Schutzherrn zu finden. Die serbische Polizei hat in der Causa Buha nach Meinung von Beobachtern ihre Ohnmacht demonstriert. In der serbischen Öffentlichkeit wird das Versagen der Korruption in der Polizei zugeschrieben. (APA)