Mit dem letzte Woche beschlossenen Universitätsgesetz werden sich die hohen Schulen ein neues Profil geben müssen - und manche holen sich dafür bereits externe Hilfe. Georg Wöber, früherer Generalsekretär des Universitätenkuratoriums, berät nun als selbstständiger Consulter die Universitätsleitungen der Unis Innsbruck und Klagenfurt sowie der Musikuniversität Graz. Dabei geht es unter anderem um die Entscheidung, welche Forschungsschwerpunkte zurückgefahren und welche ausgebaut werden sollten. "Das ist schwierig. Aus der Selbstsicht der österreichischen Unis gibt es nämlich nur Spitzen - und zwar Hunderte", sagt Wöber im STANDARD-Gespräch.

Bisher habe die Devise "Wachstum um jeden Preis" geherrscht. Jetzt gehe es plötzlich um Markt- und Leistungsorientierung und um Tiefe statt Breite. Daraus ergebe sich beispielsweise die Notwendigkeit, ähnliche Institute zusammenzulegen, um insgesamt das Fach zu stärken, so Wöber, der früher das "Data-Warehouse" (sozusagen ein elektronisches Leistungsdatenlager) der Unis betreut hat. Daraus war unter anderem ersichtlich, dass zahlreiche heimische Studienrichtungen weniger als zehn Erstinskribenten pro Jahr und kaum Absolventen haben.

Wöber spricht von notwendiger "Flurbereinigung". Doch das ist heikel. An der Uni Klagenfurt etwa, deren Existenz seit Jahren hinterfragt wird, entwickle man gerade das Selbstbewusstsein für den "Mut zur Lücke". Das Motto "Hauptsache, alles ist abgedeckt" werde künftig kein Wert mehr an sich sein. In Innsbruck wiederum könnte es vor allem im nicht naturwissenschaftlichen Bereich durch Zusammenlegungen weniger, dafür schlagkräftigere Studienrichtungen geben.

Mit der neuen Autonomie werden die Unis ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Und in diesem Zusammenhang könnten sie sogar eigene Fachhochschulen gründen - "warum nicht", meint der Berater. Das würde neue Ressourcen eröffnen, weil für jeden dieser Studienplätze eine Finanzierungsgarantie des Staates besteht.

(Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2002)