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Krebskranke Kinder in einem Spital in Minsk

Foto: APA/EPA/Drachev
Bad Goisern - "In internen Besprechungen von Schuldirektoren heißt es, dass fast jedes fünfte Mädchen Geschwülste in der Brust hat. Aber offiziell wird darüber nichts verlautbart." Galina Popovska, Direktorin der Kiewer Internatsschule 11 geht das Schicksal ihrer Schützlinge sichtbar nahe. Zum 6. Mal sind blinde und sehbehinderte Schüler aus der ukrainischen Hauptstadt auf Urlaub im Salzkammergut, um für drei Wochen die Tristesse zu vergessen.

16 Jahre sind seit der Katastrophe von Tschernobyl vergangen, die Folgen werden immer stärker sichtbar, erzählt Frau Popovska. Neben vermehrten Tumoren sind auch viele ihrer Schüler erst durch die beim Super-GAU ausgetretenen Strahlung mit genetisch bedingten Sehbehinderungen zur Welt gekommen.

Rund 150 Kinder, viele von ihnen Waisen, besuchen die Kiewer Schule, die Verhältnisse dort sind trist. Ein Lehrer verdient im Schnitt 30 US-Dollar im Monat, viele haben gekündigt um sich als Putzhilfen oder Hilfsarbeiter zu verdingen. Im Schulgebäude können nur die notwendigsten Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden, Unterrichtsmaterialien sind knapp.

Vor sechs Jahren kam die Einladung von Margot Kretzschmar, der ehemaligen Leiterin des evangelischen "Haus der Begegnung" in Gosau. Sie organisierte Ausflüge, trieb Sachspenden und Sponsoren auf. Seit zwei Jahren sind die Kinder während ihres Urlaubs im evangelischen Schülerheim in Bad Goisern untergebracht - und begeistert.

"An den ersten Tagen essen besonders die Kinder aus den armen Familien mehr als sie eigentlich brauchen", schildert die Direktorin. Auch das Freibad und der nahe Spielplatz begeistern die Kinder, erzählt Popovska. Mitfahren dürfen nur die besten Schüler und sozial besonders benachteiligte. "Die Kinder strengen sich das ganze Jahr über an." Wertvoll seien auch Kontakte mit Österreichern. Die kommen zwanglos zustande, etwa beim Fußball spielen.

Musik als Chance

Um den Kindern eine bessere Chance für die Zukunft zu geben, hat man in der Internatsschule begonnen, den Musikunterricht zu forcieren. Ein Jahr lang haben die Kinder für ihr Gastgeschenk geprobt, eine Musik- und Tanzaufführung für die Freunde des Vereins "Hoffnung für Tschernobylkinder" von Frau Kretzschmar. Mit Inbrunst werden ukrainische und österreichische Volkslieder gesungen, zum Abschluss gibt es selbstgebastelte Geschenke.

Ob die Kinder auch nächstes Jahr kommen können, weiß die Vereinsobfrau noch nicht. "Wir brauchen jährlich rund 15.000 Euro, um alles organisieren zu können. Heuer sind unsere Reserven langsam aufgebraucht", gibt sie zu. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2002)