Taktisch mag es geschickt gewesen sein, dass das Verteidigungsministerium die Entscheidung über die Type der Abfangjäger so lange hinausgezögert hat - obwohl der Eurofighter als heimlicher Favorit gegolten hat, seit er im letzten Herbst in das Rennen um die Draken-Nachfolge eingestiegen ist.

Jedenfalls ist es gelungen, die Wirbel um die Typenentscheidung an sich klein zu halten - kein Vergleich zur letzten derartigen Entscheidung im Jahr 1985, als der damalige freiheitliche Verteidigungsminister wegen der Entscheidung für "Uraltflugzeuge" aus Schweden kräftig gebeutelt wurde.

Wenn einer in einen Wirbel geraten ist, dann ist es der Finanzminister, auf den sich die SPÖ in der letzten Woche mit einer dringlichen Anfrage gestürzt hat. Aber auch das hat Grasser weitgehend unbeschadet überstehen können - wenn ihm ein Jahr Obstruktionspolitik gegen den Grundsatzbeschluss zum Abfangjägerkauf nichts anhaben konnte, dann können ihm die Folgen seines Einschwenkens auf die Regierungslinie noch weniger anhaben: Man hat schließlich seit der Regierungserklärung gewusst, dass neue Abfangjäger kommen werden. Und auch, dass sie in keinem Fall billig sein werden.

Dennoch herrschen - genährt von SPÖ und Grünen, aber auch durch den langen Widerstand Grassers - in weiten Bevölkerungskreisen Zweifel, ob Abfangjäger für Österreich überhaupt sinnvoll sind. Dass (anders als 1985) nicht alle staatstragenden Kräfte daran mitwirken, diese Zweifel auszuräumen, könnte noch Diskussionen unabsehbaren Ausmaßes heraufbeschwören: Jeder Streit um Fluglärm, um Einsatzpläne, um Details von Gegengeschäften, um mögliche technische Mängel oder auch nur den Ärger einzelner Piloten wird so zu einem neuen Aufrollen der Grundsatzfrage stilisiert werden können.

(DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2002)