Nahezu jeden Tag wiederholt sich im Moment an den Börsen das gleiche Szenario: die Kurse fallen und fallen, während Politiker, Wirtschaftsfachleute und Börsenexperten beschwichtigen, indem sie auf die nominell bisher gar nicht schlechten volkswirtschaftlichen Wachstumsraten verweisen. Während die Unternehmer trotz rekordtiefer und investitionsfreundlicher Zinslandschaft ihre Unterstützung versagten, haben die Verbraucher trotz Börsenbaisse, 11. September und Malversionen offenbar in der falschen Richtung fantasiereicher Manager bis zuletzt zumindest für ein moderates Wirtschaftswachstum gesorgt. Die bange Frage lautet: wie lange noch?Die Baisse und ihre konjunkturelle Folgen Seit dem Höhepunkt der Aktienhausse im April 2000 sind die wichtigsten Börsenindizes zwischen 20 (Dow Jones) und 70 (Nasdaq) Prozent gefallen. Alleine in den USA wurden in diesem Zeitraum gemäß Schätzungen der amerikanischen Notenbank (Fed) rund 3.500 Milliarden Dollar an Aktienkapital vernichtet, und dies alleine auf Basis des untersuchten Direktaktienbesitzes, also ohne indirekte Beteiligungen wie im Falle von Investmentfonds. Dies ist sogar mehr – oder etwa nicht? – als die aber- und irrwitzigen Investititonen des Franz Strohsack vulgo Frank Stronach in seine geliebte – oder etwa nicht? – Austria, aber noch immer zuviel für die durchschnittliche menschliche Vorstellungskraft. Etwas Licht ins Dunkel bringt unter Umständen die Tatsache, daß die genannten 3.500 Milliarden Dollar in etwa dem amerikanischen Bruttonationalprodukt eines Quartals entsprechen. Und damit nimmt die „blede Gschicht“ vielleicht endgültig ihren Lauf. Denn in Amerika, wo gemäß Statistik (noch immer) jeder zweite Haushalt Aktien hält, sind die Menschen dementsprechend mehr denn je von der debakelhaften Entwicklung der Aktienkurse betroffen. Gleichzeitig entpuppten sich bis heute die Konsumenten sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in Europa – Übrigens: in der Europäischen Union (EU) richtete gemäß Berechnungen des Statistischen Amt Eurostat die „Zerstörungswut“ der Aktienmärkte bis dato in dem genannten Zeitraum einen Schaden von rund 1.400 Milliarden Euro an, wovon alleine auf den deutsche Markt respektive die im Dax enthaltenen Werte 500 Milliarden, auf den Neue Markt 210 Milliarden (Quelle: Deutsches Aktieninstitut (dai)) entfallen – als wesentliche konjunkturelle Stütze. Denn was passiert, wenn Sondereffekte wie zinsenlose Kredite auf Autokäufe wie in den USA oder steigende Immobilienpreise in Europa, vor allem in Großbritannien, nicht mehr wirken, und die nachhaltig gesunkenen Nettofinanzvermögen der Haushalte endgültig negativ auf das Konsumverhalten abfärben? Zuerst Anführer, nun Verschlepper Sicherlich ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, daß die Gefahr einer neuerlichen Abschwächung der Weltwirtschaft und damit weitergehenden Schwäche der Börsen zunimmt. Vor allem die Hoffnungen der Verbraucher und Kleinanleger werden umso mehr schwinden, je länger die allgegenwärtige Kursschwäche andauert, und sich die Hoffnung auf eine Wende zum Besseren immer deutlicher zerschlägt respektive zu lange auf sich warten läßt. Wie wohl es keinerlei Anzeichen gibt, daß aus der Baisse schlimmere Schocks wie in den Dreissigerjahren oder in Japan nach 1989 entstehen, deutet vieles darauf hin, daß wir vor weiterhin mageren (Börsen)Jahren stehen. So wie das Börsenklima den Wirtschaftsboom lange anführte und förderte, dürften nun das Börsenparkett die Erholung verschleppen und glitschig bleiben. Nachlese --> Quo Vadis Börse? --> Wieder Ordnung an der Fußballbörse --> Auf Resignation naht die Wende --> Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes --> Hört die Deflations-Signale