Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/Archiv
Düsseldorf - Als die spätere Boombranche noch das biedere Fernmeldewesen war, Telefone als grüne und braune Klötze auf der Kommode standen und Ron Sommer in Wien an seiner Dissertation bastelte, da war er in Bonn schon an Bord. Gerd Tenzer stammt aus der grauen Vorzeit der Telekom, der Behörden-Ära mit Deutscher Bundespost und einem Minister an der Spitze. Den Wandel zu einem modernen Großkonzern hat der Diplom-Ingenieur von Anfang an im Vorstand miterlebt, wo er die meisten Kollegen um Haupteslänge überragt. Herausragende Fähigkeiten hat der fast 59 Jahre alte Tenzer als Techniker. Weniger ausgeprägt sind seine kommunikativen Gaben. Schlanker Mann mit Schmiss Der als konziliant geltende Manager trägt bei der Telekom den Beinamen "Herr der Netze" und galt lange als die Nummer Zwei hinter Sommer, den er nun angeblich im Vorstandsvorsitz beerben soll. Seit Mai 2001 ist er, nach einem veränderten Zuschnitt in der Konzernführung, für den neu geschaffenen Bereich Produktion und Technik zuständig. In dieser Funktion und auch schon vorher sorgte er unter anderem für den Auf- und Ausbau und die Pflege der Übertragungswege. Bis zu dem Revirement hatte der schlanke Mann mit dem Schmiss an der Wange auch die Verantwortung für die Produkte und Dienstleistungen, die über die Leitungen transportiert wurden, etwa DSL. Dass Sommer damals seinen Sony-Spezi Josef Brauner mit diesen Aufgaben betraute, wurde als gewisse Degradierung Tenzers gesehen. Als möglicher Nachfolger des Vorsitzenden war er schon im Umfeld der Bundestagswahl vor vier Jahren gehandelt worden. Damals hatte das SPD-Mitglied jedoch erklärt, sich im zweiten Glied wohler zu fühlen. Die breitere Öffentlichkeit kennt Tenzer als den Verhandler für den Verkauf des Fernsehkabels. Drei große Deals konnte er vermitteln, das ganz große Geschäft mit Liberty scheiterte aber am Veto des Kartellamtes. Der Telekom entgingen dadurch Milliarden, die sie für den Abbau der hohen Schulden dringend braucht. Tenzer wurde am 4. August 1943 in Baden-Baden geboren. Nach dem Studium der Nachrichtentechnik in Aachen ging er 1968 zu AEG-Telefunken. Zwei Jahre später wechselte er zur Deutschen Bundespost und 1975 ins Postministerium. Dort wurde Tenzer 1980 Leiter des Referats Fernmeldepolitik. 1990 folgte die Berufung in den Vorstand der gerade als eigenständiges Unternehmen ausgegründeten Telekom, in dem er seither die technische Entwicklung mitbestimmte. Fachlich kompetent, solide, zurückhaltend und freundlich, kein eiserner Besen - so wird er im Hause beschrieben. Pragmatisch und kompromissbereit Bei den inländischen Konkurrenten der Telekom wird er als pragmatisch und kompromissbereit geschätzt. Tenzer sei an Lösungen interessiert, die auch für den Konzern wirtschaftlich sinnvoll seien. Anders als andere gelte er nicht als "Brutal-Verhinderer", der den Wettbewerb selbst auf Kosten des eigenen Profits ausbremsen wolle, heißt es in der Branche. Seit Tenzer erneut als Sommer-Nachfolger hoch gehandelt wird, werden bei der Telekom aber auch Stimmen laut, die ihn als "Königsmörder" bezeichnen und ihm einen schweren Stand bei den Vorstandskollegen prophezeien. Außerdem gilt er als reine Verlegenheitslösung und Konzernchef auf Zeit. (APA/vwd)