Graz/Wien - Die vom STANDARD aufgedeckte "Sexaffäre" um einen bekannten Grazer FPÖ-Politiker hat in der Steiermark mächtigen Wirbel entfacht. Nun werden Forderungen nach einer Sondersitzung des Stadtparlaments immer lauter.Nachdem der ehemalige FP-Landesparteichef Michael Schmid sowie FP-Staatsekretärin Mares Rossmann die Existenz jenes Protokolls bestätigten, in dem zwei Frauen massive sexuelle Übergriffe des ehemaligen FP-Stadtrates Ferdinand Spielberger dokumentierten, kommt die jetzige Parteispitze nun in Argumentationsnotstand. Mares Rossmann und auch Schmid erklärten nämlich, dass "es alle gewusst haben". Konsequenzen wurden allerdings keine gezogen. Die Sache wurde mit Wissen der Bundesparteispitze jahrelang vertuscht. Spielberger wurde unter Stillschweigen der Parteiführung lediglich in die zweite Reihe zurückgezogen, er bekleidet nach wie vor ein veranwortungsvolles Amt im Rathaus, verfügt über Parteiämter und sitzt für seine Partei im Gemeinderat. (Nachdem der STANDARD aus Rücksicht auf die beiden Frauen ursprünglich den Namen des beschuldigten Politikers nicht genannt hatte, hat SPÖ-Stadträtin Tatjana Kaltenbeck den FP-Mann mittlerweile "geoutet" und ihn somit öffentlich gemacht.) Strafrechtlich hat Spielberger wahrscheinlich nichts mehr zu befürchten. Die Affäre ist verjährt. Aus dem Bürgermeisteramt wird jedoch bestätigt, dass gegen Spielberger eine Untersuchung eingeleitet wird. Finanzstadtrat und ÖVP-Bürgermeisterkandidat Siegfried Nagl verlangt indessen wie auch SPÖ-Klubchef Karl Heinz Herper eine Sondersitzung des Gemeinderates. Auch die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses gegen Spielberger ist im Gespräch. Spielberger selbst hat sich indessen mit seinem Parteichef, Vizebürgermeister Peter Weinmeister, eingebunkert. Sie ließen ausrichten: "Wir stehen das durch." (Walter Müller, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 15.7. 2002)