Frankfurt/Wien - Der Euro ist am Montag erstmals seit rund zweieinhalb Jahren auf die Parität zum Dollar gestiegen. Diese Marke gilt an den Finanzmärkten als wichtige psychologische Hürde, an der die Gemeinschaftswährung bei ihrem Anstieg in den vergangenen Wochen schon mehrmals gescheitert war. Zuletzt hatte ein Euro am 24. Februar 2000 einen Dollar gekostet. Montag Abend notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,0055 US-Dollar. Der Euro wurde am Dienstag Morgen mit 1,0042-45 Dollar gehandelt.US-Bilanzskandale zeigen ihre Wirkung Vor allem die vielen Bilanzskandale wichtiger US-Konzerne, die Verluste an der Wall Street und das hohe Minus in der US-Leistungsbilanz hatten das Vertrauen in die Stärke des Dollar in den vergangenen Monaten schwinden lassen. Aber auch die für US-Begriffe eher schwache Konjunkturerholung und extrem niedrige Geldmarktzinsen haben die Attraktivität der USA als Destination für anlagesuchendes Kapital zunehmend infrage gestellt. Jedenfalls haben die Zuflüsse in den US-Aktien-, aber auch -Anleihemarkt seit Jahresbeginn deutlich abgenommen. Bevor "Eurotiker" von einem Höhenflug der Gemeinschaftswährung zu schwärmen beginnen: Der Euro kostete im Jänner 1999 bei seinem Debüt am Devisenmarkt 1,1747 Dollar. Seinen tiefsten Stand erreichte er im Oktober 2000 mit 0,8225 Dollar - ein Verlust von 30 Prozent seit seinem Start. Wenn er jetzt wieder die Parität zum Dollar erreicht hat, dann ist er jedenfalls erst auf dem halben Weg zurück zum Ausgangspunkt. "Potenzial noch nicht ausgeschöpft" Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) geht davon aus, dass der Euro sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. Im Falle weiterer Kursverluste sollte sich der Aufwärtstrend fortsetzen. Mittelfristig sollte es allerdings zu einer Konsolidierungphase kommen, wobei der Euro bis 0,97 Dollar zurückgehen könnte, um im Dezember wieder die Parität zu erreichen. (Reuters, gb, DER STANDARD, Printausgabe 16.7.2002)