Wien - Der japanische Kaiser Akihito hat am Montag, dem dritten Tag seines Österreich-Besuchs, in der Hofburg seine Gespräche mit Bundespräsident Thomas Klestil fortgesetzt. Beim Staatsbankett, das Klestil für den Tenno und seine Gemahlin, Kaiserin Michiko, zu Mittag im Zeremoniensaal der Hofburg gab, würdigte der Bundespräsident das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Japan und der Europäischen Union. Der Kaiser erinnerte an den Gründer der Paneuropa-Union, Graf Richard Coudenhove-Kalergi, als "Urheber der europäischen Integrationsbewegung". Der Montag stand ganz im Zeichen der Musik: Am Vormittag brachten die Wiener Sängerknaben dem Kaiserpaar ein Ständchen, am Abend gibt das Quintett der Wiener Philharmoniker im Musikverein ein Konzert. Der Bundespräsident hob in seiner Tischrede hervor, dass Japan und die EU vor wenigen Monaten in Brüssel ein umfassendes Grundsatzdokument über die Ausgestaltung ihres Verhältnisses annahmen. "Diese Partnerschaft zeigt, dass beide Seiten bereit sind, Verantwortung auch in Bereichen zu übernehmen, die weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus reichen", sagte Klestil. Er lobte das Engagement Japans am Balkan und die Abhaltung der internationalen Konferenz über den Wiederaufbau Afghanistans, die im Jänner in Tokio stattfand als "eindrucksvolle Beispiele" für Japans Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit. Die steigende Touristenzahl und die zunehmenden Wirtschaftsbeziehungen zeigen nach den Worten Klestils, dass im bilateralen Verhältnis "sehr viel mehr Substanz zu Grunde liegt als man auf den ersten Blick vermuten würde". Österreich und Japan "teilen Errungenschaften - aber auch Probleme, die für wohlhabende, hoch industrialisierte Gesellschaften mit hohem sozialen Zusammenhalt typisch sind". Es gelte, die Rahmenbedingungen der Wirtschaft zu überprüfen, ob sie den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs gerecht werden und durch das Erziehungssystem kommenden Generationen adäquaten Zugang zu Wissen und Kreativität sicherzustellen. Kaiser erinnert an Paneuropa-Gründer Kaiser Akihito strich in seiner Rede den Stellenwert Österreichs in der Geschichte Europas heraus und zollte dabei dem Gründer der Paneuropa-Union besondere Anerkennung. Heute bewege sich Europa dynamisch in einer Integration von nie da gewesenem Ausmaß. "Es war Graf Coudenhove-Kalergi, dessen Vater ein österreichischer Diplomat und dessen Mutter eine Japanerin war, der die Europa-Bewegung initiierte und der Urheber dieser Integrationsbewegung wurde", sagte der Tenno, der in seiner Tischrede seine persönliche Begegnung mit dem Gründer der Paneuropa-Union in der Schweiz erwähnte. "Seither sind beinahe 50 Jahre vergangen; ich spüre, dass die Welt vollkommen verändert ist." Seit der Aufnahme diplomatische Beziehungen vor über 130 Jahren (Freundschafts- und Handelsvertrag von 1869) "haben meine Landsleute viel von ihrem Land gelernt", fuhr der Tenno fort. Vor allem betonte er die Rolle der Musik für die Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Österreich und Japan, aber auch das Bestehen von 30 Partnerschaften zwischen Städten in Österreich und Japan. In herzlichen Worten sprach Kaiser Akihito über seinen Aufenthalt in Wien, in dessen Verlauf er mit Kaiserin Michiko ein reiches Kulturprogramm - und Besichtigungsprogramm absolvierte. An dem Bankett nahmen Regierungsmitglieder sowie Repräsentanten von Wirtschaft, Politik und Kultur teil. Buntes der Sängerknaben Im Palais Augarten hatte das Kaiserpaar Montag Vormittag gemeinsam mit dem Ehepaar Klestil einem Konzert der Wiener Sängerknaben gelauscht. Die kleinen Sänger präsentierten dem musikbegeisterten Monarchenpaar einen Querschnitt ihres Repertoires, mit Schwerpunkt bei Johann Strauß Sohn, von dem mit "Wiener Blut" und dem "Vergnügungszug" gleich zwei Werke aufgeführt wurden. Trotz des strömenden Regens hatten sich auch beim Palais Augarten wieder zahlreiche Schaulustige eingefunden, um den Kaiser zu sehen. Die Sängerknaben Kento und Rene Friesach, die eine japanische Mutter und einen österreichischen Vater haben, begrüßten den Kaiser in seiner Landessprache. Die in Österreich ansässige japanische Gemeinschaft bekam den Tenno am Nachmittag bei einem Empfang im Hotel Imperial zu sehen. Laut japanischer Botschaft sind in Österreich exakt 1.997 Japaner, die Kinder eingerechnet, registriert. Am späteren Nachmittag besichtigt das Kaiserpaar den Musikverein, vor ihm Originalmanuskipte von Komponisten gezeigt werden. Mit einem Konzert im Brahms-Saal, gegeben vom Quintett der Wiener Philharmoniker, klingt die Tenno-Visite musikalisch aus. Dieses Philharmoniker-Konzert erfolgt im Auftrag und auf Einladung des Bundespräsidenten, die Hofburg kommt auch für den Aufwand auf. Werke von Mozart, Haydn und Lanner werden erklingen. (APA)