Wien - Eine Senkung der Lohnnebenkosten um rund 880 Mio. Euro, wie im Regierungsprogramm versprochen und von der Wirtschaftskammer (WKÖ) vehement für 2003 eingefordert, würde das Wirtschaftswachstum Österreichs in zwei Jahren um einen Viertel Prozentpunkt anheben und 5000 zusätzliche Jobs bringen. Dies ist kurz zusammengefasst das Ergebnis einer Wifo-Studie im Auftrag der WKÖ, die am Montag von Kammerpräsident Christoph Leitl und Wirtschaftsforscher Gerhard Lehner präsentiert wurde. Lehner sagte, eine Senkung der Lohnnebenkosten bringe einen stärkeren Wachstums-und Beschäftigungseffekt als eine volumsmäßig gleich hohe Senkung der Lohnsteuer.Senkungsspielraum von jeweils 115 Mio. Euro sieht der Studienautor beim Insolvenzentgeltfonds und bei der Unfallversicherung, der große Rest müsse durch eine Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge aufgebracht werden. Leitl forderte erneut eine Beitragssenkung in allen drei Bereichen in einem Schritt 2003, andernfalls gerate Österreich insbesondere gegenüber seinen östlichen Mitbewerben nach der EU-Erweiterung ins Hintertreffen. Bartenstein: Etappenlösung Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hatte zuletzt erklärt, er sehe angesichts steigender Arbeitslosenzahlen 2003 keinen Senkungsspielraum bei den Arbeitslosenversicheurngsbeiträgen. Bartenstein sprach von einer Etappenlösung, bei der 2003 lediglich die Beiträge zum Insolvenzentgeltfonds und zur Unfallversicherung gesenkt würden. Ein Arbeitsmarktexperte, der nicht genannt werden wollte, bestätigte grosso modo die Position Bartensteins. Der Spielraum in der Arbeitslosenversicherung sei 2003 tatsächlich "sehr beschränkt", da zu den hohen Arbeitslosenzahlen auch der sprunghafte Anstieg an Nutzern der Altersteilzeit komme, die im nächsten Jahr schon 500 Mio. Euro kosten werde. Lehner enthielt sich hier einer Wertung. Dies sei eine "politische Frage" und obendrein eng mit geplanten ausgabenseitigen Budgetsparmaßnahmen verknüpft (siehe Artikel Seite 15). "Signale jetzt" "Wir brauchen die "Signale jetzt, nicht in Etappen", sagte Leitl. Die Betriebe hätten die Budgetsanierung mit 2,6 Mrd. Euro maßgeblich mitfinanziert, nun müssten sie entlastet werden. Denn ab 2004 verliere Österreich durch die deutsche Steuerreform und die EU-Erweiterung wesentliche Wettbewerbsvorteile bei Investoren. Bei den Lohnnebenkosten liege Österreich um vier Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 16.7.2002)