Hamburg - Die Züchtung einer Kartoffel gegen Augenerkrankungen läuft auf Hochtouren. Züchter berichten bereits über erste Erfolge bei der Entwicklung einer Knolle mit deutlich erhöhtem Carotinoid-Anteil. Jene nährstoffreiche Functional-Food-Knolle, die Vorstufen von Vitamin A enthält, könnte Augenerkrankungen vorbeugen. Dies teilte am Montag der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Pflanzenzüchter, Kartz von Kameke, auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kartoffelforschung (EAPR) mit. An dem Kongress, der bis Freitag dauert, nehmen rund 500 Wissenschaftler aus 50 Ländern teil.Pflanzenzüchter geben Kameke zufolge derzeit rund 16 Prozent ihres Umsatzes für Pflanzenerforschung und Entwicklung aus. Von diesem Anteil wiederum fließen zehn Prozent in die Genforschung. In dem Genverfahren werden von den 60.000 Genen der Kartoffel ein bis fünf Gene im Erbgut der Pflanze aktiviert. Bei der konventionellen Kreuzung wären aufgrund der dafür nötigen zahlreichen Versuche mindestens 35 Jahre erforderlich. Mit der Aktivierung eines Genes in der Pflanze könne die Züchtungsdauer mehr als halbiert werden, berichtet die Nachrichtenagentur ddp. Größter Feind der Kartoffel sei nach wie vor die epidemieartig auftretende Kraut- und Knollenfäule, sagte Kameke. In den USA sei bereits ein erstes Gen dagegen entdeckt worden. EAPR-Präsident Gerhard Wenzel kritisierte in diesem Zusammenhang die hohen Auflagen für Genforscher und Zuchtstationen aus Brüssel. Dadurch entstünden Kosten, die sich nur noch die "Multis" der Branche leisten könnten. Wenn die mittelständischen Betriebe von der genveränderten Züchtung ausgenommen werden, gebe es eine unerwünschte Zentralisierung. (pte)