Graz - Während im Opernhaus im Rahmen von Tanzsommer Graz bis 21. Juli Großproduktionen wie das Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar mit dessen populärer Carmen-Flamenco präsentiert werden, setzt die Bühnenwerkstatt mit dem "11. Internationalen Tanztheaterfestival Graz", ebenfalls bis 21. Juli, auf feine Kleinwerke.

Im stimmungsvollen Ambiente des Palais Meran wird tagsüber ambitioniert gearbeitet. Ballettdirektor Darrel Toulon unterrichtet mit analytischem Blick modernes Ballett, Lisa Kellogg, bekannt aus sämtlichen US-Musikvideos (u. a. mit Michael Jackson) und Commercials, macht energiegeladenen Hip-Hop-Street-Dance bekannt und Frey Faust führt in die Contact-Improvisation sowie Moe Yamamoto in seine Auslegung des Butoh-Tanzes ein.

Natürlich möchten die Workshopteilnehmer, und nicht nur sie, Eigenschöpfungen des prominenten Lehrkörpers auf der Bühne sehen. So wurde das "Tanztheaterfestival" mit Darrel Toulons Salsa-Groteske La Libertad, interpretiert von "Tanz,Graz", eröffnet. Anreiz genug, um sich mit Varianten des zeitgenössischen Bühnentanzes intensiv auseinander zu setzen.

Für die weiteren Aufführungen wurden Gäste aus Slowenien und Russland geholt. Am Wochenende stellte sich dann Frey Faust mit Time Painting dem Publikum. Neben eher beiläufigen Improvisationen beeindruckte er vor allem in seinen Soli. Er, der ja schon bei seinen Auftritten mit Randy Warshaw oder Stephen Petronio immer wieder aufgefallen ist, hat sich da einen ungewöhnlichen Bewegungsstil zugelegt.

Wohl von Natur aus schon mit immenser Gelenkigkeit wie Bewegungsgeschmeidigkeit beglückt, interpretiert oder besser visualisiert er ziemlich akzentuiert Bachs Goldberg Variationen und folgt gleichermaßen eigenwillig dem Rhythmus der Kodo Drummers. Ein exzeptionelles Beispiel für den seit Jahren in der Steiermark beliebten radikal-zeitgenössischen japanischen Tanz bieten Kanazawa Butoh Kan, Yamamoto Moe und Shirasaka Kei mit Fukuchu no Mushi , einer Aufführung, die in Wien von 25. bis 27. Juli im Exterritorial (4., Rechte Wienzeile 37, 21.00 Uhr) zu sehen ist. Das gemeinsame Grazer Finale von Tanztheaterfestival und Bühnenwerkstatt am 20. Juli (21 Uhr) gestalten die Studenten mit einer Werkschau. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2002)