Die FPÖ ist drauf und dran, ihr Image als Antiprivilegienpartei zu verlieren. Schuld daran ist ihr Sozialsprecher Reinhart Gaugg, der seit Wochen um ein Supergehalt und andere Privilegien in der Pensionsversicherungsanstalt rauft. Er tut dies so unverhohlen, dass er damit sogar seinem Freund Jörg Haider "auf die Nerven geht". Der Schaden für die FPÖ ist durch das wochenlange Gerangel bereits eingetreten, egal ob Gaugg nun sein Mandat zurücklegt oder nicht. Für die FPÖ der größtmöglich anzunehmende Unfall, ein GAUgg. Der Partei ist hier etwas passiert, was sie nicht in den Griff bekommt.

Anders der Fall Ewald Stadler: Dieser Belastungsfall ist nur vordergründig einer. Der Volksanwalt und Hobbyhistoriker geht zwar ebenfalls vielen auf die Nerven, die Entrüstung, die er mit seinem Vergleich von Nazidiktatur und alliierten Besatzungsmächten ausgelöst hat, ist aber durchaus kalkuliert. So absurd das klingen mag, der FPÖ-Volksanwalt bringt sich mit seiner unappetitlichen Geschichtsverfälschung als Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niederösterreich in Stellung.

Der jetzige Obmann der FPÖ Niederösterreich, Ernest Windholz, hat es nicht einmal geschafft, sich mit dem SS-Wahlspruch "Unsere Ehre heißt Treue" zu profilieren. Abgesehen davon ist er ein unbeschriebenes Blatt geblieben, farblos und weitgehend unbekannt. Die niederösterreichischen Freiheitlichen grundeln bei Werten um die zehn Prozent herum, Windholz ist der Garant dafür, dass das auch so bleibt - oder gar noch schlechter wird. Da ist Ewald Stadler ein anderes Kaliber. Selbst wenn er mehrheitlich auf Antipathie stößt, bringt er mit seiner Polarisierung den Freiheitlichen in Niederösterreich wohl mehr Stimmen ein, als es seinem ebenfalls strammen Kameraden Windholz gelingen mag. So wird Politik gemacht. In der FPÖ. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2002)