Der Showdown in der Telekommunikationsbranche läuft weltweit - nicht nur in Deutschland. Drei sind bereits zusammengebrochen: Global Crossing, Worldcom und KPN Qwest. Es werden nicht die letzten sein, denen der tödliche Cocktail aus teuren Zukäufen, überhitzten Märkten,"frisierten" Bilanzen und erdrückenden Schulden nicht bekommt. Ein Vergleich der Branchenriesen legt allerdings den Verdacht nahe, dass Ron Sommer, der zum Abschuss frei gegebene Vorstandschef der Deutschen Telekom (DT) nicht nur Prügel bekommt, weil die T-Aktie im Keller ist, sondern auch für den Niedergang der allzu visionären und technikgetriebenen Branche.250 Milliarden Euro Schulden Eine Zwischenbilanz nach fünf Jahren Liberalisierung in Europa: Die blutige Schlacht ist geschlagen, und wie nach jedem Krieg müssen Schuldenberge abgetragen und wertlose Kriegsanleihen verbucht werden. Allein Europas Riesen weisen in Summe 250 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten aus. Sowohl DT als auch France Télécom (FTE) sitzen auf Schuldenbergen jenseits der 60-Milliarden-Euro-Marke, der Ruf nach Kostenkillern à la Ignazio Lopez aus der Automobilindustrie für die Branche wurde laut. Locker Im Gegensatz zu den Franzosen bedient die DT ihre Schulden jedoch locker, die Einkaufstour in den ehemaligen Ostblockstaaten macht sich bezahlt. Dort bringen Monopolrenten laufende Einnahmen und die Umsätze wachsen - im Gegensatz zum Binnenmarkt - auch im Festnetz. Auch die als zu hoch kritisierte und später berichtigte Immobilienbewertung der DT ist laut Gutachten rechtens gewesen. FTE-Chef Michel Bon hingegen bekommt alle paar Wochen Unterstützungserklärungen der Regierung, falls ihm das Geld ausgeht. Kurspflege auf Französisch. Vergleichsweise komfortabel ist die Lage für Spaniens Telefònica. Zwar kämpfen die "Matadores" mit der Argentinienkrise, der schleppenden UMTS-Expansion in Europa und Umsatzeinbußen, schuldenmäßig drückt der Schuh aber nicht arg. British Telecom wiederum kann bereits Sanierungserfolge vorweisen. Solide Ausnahmeerscheinungen Solide Ausnahmeerscheinungen im Tohuwabohu: Swisscom und Telekom Austria. Beide weisen einen soliden Cash-Flow aus und dominieren ihre Heimmärkte in allen Sparten. Bescheiden sind dafür aber die Wachstumsaussichten. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausabe 16.7.2002)