Peking - Chinas Volkswirtschaft wird in diesem Jahr ihr Wachstumsziel von sieben Prozent erreichen und wahrscheinlich die 7,3 Prozent des vergangenen Jahres übertreffen. Davon zeigte sich der Sprecher des Staatlichen Statistischen Amtes, Qiu Xiaohua, am Montag bei der Vorlage der Halbjahresergebnisse überzeugt: "Die meisten Indikatoren Ende Juni sind besser, als wir es im Januar erwartet hatten." Bereits im ersten Halbjahr sei das Bruttoinlandsprodukt um 7,8 Prozent auf 4554 Milliarden Yuan (562,2 Mrd. Euro) gestiegen.Damit bleibt das Reich der Mitte sechs Monate nach seinem WTO-Beitritt eine Konjunkturlokomotive für die Region. Staatliche Infrastrukturprogramme, starke Exporte, hohe Auslandsinvestitionen und mehr private Investoren des Binnenmarktes seien treibende Kräfte hinter dem Anstieg. Er betrug im ersten Quartal 7,6 Prozent und im zweiten Quartal acht Prozent. Das Statistische Amt rechnet ein Prozent des Wachstums auf das Konto des WTO-Beitritts hoch. Die ermäßigten Einfuhrzölle hätten den inländischen Wettbewerb stimuliert. Das hohe Wachstum sei auch Folge der Außenwirtschaft, die Rekordwerte melden kann. So zog China im ersten Halbjahr 31,5 Prozent mehr an Auslandsinvestitionen oder 24,6 Milliarden US-Dollar an sich und rechnet mit 50 Milliarden Dollar bis Ende des Jahres. Die Nachfrage auf dem Land, dem eigentlichen Binnenmarkt Chinas, kommt aber nach wie vor nicht in Gang. Die realen Einkommensunterschiede haben sich nach Auskunft von Sprecher Qiu zwischen Stadt und Land heute auf mehr als sechs zu eins erhöht. Die Bauern bleiben die Verlierer der Reformen. Weitere Probleme der Volkswirtschaft liegen in der Stagnation der Staatseinnahmen, der hohen Arbeitslosigkeit und der extremen Zunahme schwerer Arbeitsunfälle in allen Wirtschaftsbereichen. (erl/DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2002)