Der Fall eines US-Reporters, der wegen seiner Kenntnisse über ein vertrauliches diplomatisches Schreiben vorübergehend im US-Außenministerium festgehalten wurde, sorgt in Washington für Wirbel. Der Herausgeber des konservativen Wochenblatts "National Review", Richard Lowry, warf am Montag dem Ministeriumssprecher Richard Boucher in einem Protestbrief "rowdyhaftes" Verhalten gegenüber dem jungen Korrespondenten der Zeitung vor. Der 26-jährige Reporter Joel Mowbray hatte am Freitag in dem routinemäßigen Briefing im State Department Fragen gestellt, die sich auf eine Nachricht des US-Botschafters in Saudiarabien an das Außenministerium bezogen. In dem Schreiben berichtete Botschafter Robert Jordan, dass er damit begonnen habe, alle erwachsenen Antragsteller auf ein Visum befragen zu lassen. Die Praxis der Visavergabe an saudiarabische Staatsbürger war nach den Anschlägen vom 11. September in den USA in die Kritik geraten, nachdem sich herausgestellt hatte, dass 15 der 19 Luftpiraten aus Saudiarabien kamen. Mowbray hatte mehrere Artikel geschrieben, in denen er die Visavergabe als zu lasch kritisierte. Wortgefecht Während der Pressekonferenz gab Mowbray an, eine Kopie des Schreibens des Botschafters zu besitzen. Der Reporter verwickelte sich außerdem in ein Wortgefecht mit Boucher, der ihm vorwarf, die Unwahrheit zu schreiben. Nach Ende des Briefings wurde Mowbray dann nach eigener Darstellung von Mitarbeitern des Ministeriums festgehalten, als er das Gebäude verlassen wollte. Ihm sei mitgeteilt worden, er dürfe nicht gehen, bevor er gesagt habe, wie er in den Besitz des Schreibens gekommen sei. Mowbray weigerte sich und konnte laut eigenen Angaben nach einer halben Stunde schließlich doch das Gebäude verlassen. Herausgeber Lowry verwies in seinem Brief an Boucher darauf, dass mehrere Medien aus dem Schreiben des Botschafters zitiert hatten. Der einzige Grund, dass ausgerechnet Lowry festgehalten worden sei, müsse darin liegen, dass "ein junger Reporter eingeschüchtert werden sollte, der Ihnen das Leben schwer gemacht hat". Boucher dagegen spielte den Vorfall herunter. Nach seinen Angaben handelte es sich um kein ungewöhnliches Vorgehen seines Hauses. Niemand, der ein vertrauliches Schreiben mit sich führe, dürfe das Gebäude verlassen, ohne dass zuvor "angemessene Sicherheitsmaßnahmen" getroffen worden seien. (APA)