Washington - Um das Vertrauen in die US-Wirtschaft wiederherzustellen, hat das US-Repräsentantenhaus für betrügerische Manager Haftstrafen von bis zu 20 Jahren gefordert. Mit ihrem Votum vom Dienstagabend (Ortszeit) verweigerten die Abgeordneten einer Vorlage des Senats die Zustimmung. Sie sah eine Verdopplung der Höchststrafe von bisher fünf auf zehn Jahre vor. Die beiden Entwürfe müssen nun noch abgeglichen werden. Das Misstrauen gegenüber Managern ist nicht nur an der Börse, sondern auch in der US-Bevölkerung groß: Umfragen zufolge liegt ihre Wertschätzung noch unter der katholischer Priester, die durch Pädophilie-Skandale in Verruf geraten sind.Kompromiss gesucht Ziel des neuen Bilanzrechts sei es, die "Ehre" der großen Mehrheit der Angestellten und Manager in amerikanischen Unternehmen wiederherzustellen, die "hart und ehrlich" arbeiteten, sagte der Vorsitzende des Justizausschusses, James Sensenbrenner. Der beste Weg dorthin sei, die "Übeltäter hart zu bestrafen". US-Präsident George W. Bush will das Gesetz gegen Bilanzbetrug möglichst noch vor der Sommerpause im August mit seiner Unterschrift in Kraft setzen. Allerdings muss der Vermittlungsausschuss des US-Kongresses noch einen Kompromiss zwischen den Vorlagen von Senat und Repräsentantenhaus finden. Nach dem Entwurf des Repräsentantenhauses sollen leitende Beschäftigte, die gezielt Bilanzen fälschen, künftig bis zu 20 Jahre hinter Gitter. Manager, die bei der US-Börsenaufsicht SEC in betrügerischer Absicht falsche Angaben über ihr Unternehmen machen, sollen zudem Strafen von bis zu fünf Mill. Dollar (4,99 Mill. Euro) zahlen müssen. Betrug beim Wertpapierhandel soll demnach sogar mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft werden. Der Senat hatte am Montag einstimmig einen Entwurf verabschiedet, mit dem die Strafen für betrügerische Manager auf maximal zehn Jahre hochgesetzt werden sollten. Zudem stimmte der Senat für ein unabhängiges Aufsichtsgremium, das über die Branche der Rechnungsprüfer wachen soll. Das Vertrauen in die US-Wirtschaft ist durch die jüngsten Bilanzskandale bei dem Telefon-Riesen WorldCom und dem Energiekonzern Enron auf einen Tiefstand gesunken. Misstrauen Den dringenden Handlungsbedarf zeigt auch eine Umfrage der Meinungsforschungsgesellschaft Gallup: Danach gaben lediglich 23 Prozent der Befragten an, sie trauten Managern großer Unternehmen. Mit 73 Prozent gaben fast drei Viertel zu Protokoll, sie hegten ein großes Misstrauen. Umstrittene Aktienoptionen Ein Hauptübel der US-Wirtschaft wird durch die Gesetzentwürfe von Senat und Repräsentantenhaus allerdings nicht beseitigt: Die gängigen Erfolgsprämien für Manager in Form von Aktienoptionen. Viele Experten sehen in ihnen eine wesentliche Quelle der Skandale, da sie von den Firmen in den Bilanzen nicht als Ausgaben deklariert werden müssen. Sie können Manager zudem dazu verleiten, durch manipulierte Bilanzen die Aktienkurse in die Höhe zu treiben. (APA)