Anwalt, Botschafter, Stimme der Vernunft. Das alles ist Vinton Cerf, wenn es um das Internet geht. Der 59-jährige Amerikaner gilt als einer Väter des Computernetzes. Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nachdem er das Kommunikationsprotokoll TCP/IP mitentwickelt hat, meldet sich Cerf immer wieder zu Wort - und meistens hören Politiker, Juristen und Geschäftsleute auf ihn. Sein Leitsatz lautet: Das Internet ist für alle da.Anwalt "Ich sehe mich als eine Art Anwalt, der erreichen will, dass man möglichst viel über das Internet weiß und versteht", sagt Cerf. Und nach Meinung von David Farber, dem früheren Cheftechnologen der US-Bundeskommission für Kommunikation, ist ihm das auch gelungen. "Vint hat die Fähigkeit, auch außerhalb der Technikgemeinschaft über das Internet zu sprechen." Visonen Cerf, seit zwei Jahren Vorsitzender der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), hat eine Vision: Verantwortlichkeit unter Internet-Nutzern und Entwicklern, damit das Internet für jeden verfügbar, sicher und erschwinglich wird und gleichzeitig frei vom Einfluss der Regierung und der Kontrolle der Wirtschaft bleibt. "Ich muss die Leute immer wieder daran erinnern, dass es in unser aller Interesse ist, intellektuelles Eigentum frei verfügbar zu machen", sagt er. Mit anderen Worten: Die Firmen sollten Erfindungen nicht zurückhalten, wenn diese dazu beitragen können, Internet-Standards zu formulieren. Die Gemeinschaft, auch der Patentinhaber, profitiere mehr davon, erklärt Cerf, wenn jeder zum gemeinsamen Gut beitrage. Luftleer Von Anfang an hat Cerf begriffen, dass Technologie nicht in einem Vakuum existiert. Hörbehindert seit seiner Jugend, fand er in E-Mails einen Weg der Kommunikation, mit dem er sich einfacher und deutlicher verständigen konnte als am Telefon. Seine Erkenntnis, dass das Internet mindestens genauso viel mit den Menschen zu tun hat wie mit Computern und Kabeln, wird die treibende Kraft für ihn. "Er hat dem Internet ein Herz gegeben", sagt Don Heath, ehemaliger Geschäftsführer der Internet Society. Nachfragen Cerf sei jemand, den Politiker und Industriebosse um Rat fragen, sagt Michael Nelson, einst Regierungsberater, heute einer der führenden Köpfe von IBM. Im Weißen Haus ist Cerf ein oft gesehener Gast, ebenso im Kongress. Aber nicht immer findet er mit seinen Argumenten Gehör. So sagte er im Jahr 2000 als Zeuge vor einem französischen Gericht aus, das entscheiden sollte, ob der Online-Dienst Yahoo Auktionsseiten, auf denen Nazi-Objekte zum Verkauf angeboten werden, sperren muss. Cerf gab zu bedenken, diese Forderung sei nicht realisierbar. Der Richter machte dies dennoch zur Auflage. Respektabel Die Fachwelt begegnet Cerf meist mit großem Respekt wegen seines immensen Wissens, wie Carl Malamud, der Gründer des gemeinnützigen Internet Multicasting Service sagt. "Egal, auf welchem Treffen er auftaucht, er ist fünf Minuten da und hat etwas Konstruktives zu sagen." Dennoch sei Cerf das Attribut "Vater des Internets" etwas unangenehm, sagt Malamud, "aber er hat es akzeptiert". Cerf selbst betont lieber die Teamarbeit, die hinter dem Internet steckt. Es sei nicht so, das nur eine oder zwei Personen dies geschafft hätten. "Es waren tausende Leute", sagt Cerf. "Aber ich erkenne an, dass ich ein alter Hase bin und ganz am Anfang mit dabei war." (APA)