Brüssel/Osnabrück/Tokio - Der Kursanstieg des Euro über die Parität zum Dollar ist nach Einschätzung der EU positiv, da er dazu beiträgt, die Inflation im Zaum zu halten. "Ein starker Euro ist im Interesse der Euro-Zone, vor allem wegen seiner positiven Effekte, um die Inflation unter Kontrolle zu halten und in der Unterstützung der Binnen-Nachfrage", sagte Gerassimos Thomas, wirtschaftlicher Sprecher der EU-Kommission am Montag in Brüssel."Zinserhöhung erledigt" Der deutsche Finanzwissenschaftler Rolf Peffekoven erwartet, dass sich mit dem steigenden Euro-Kurs die sonst drohende Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank "erst einmal erledigt hat". Der sinkende Dollar-Kurs werde sich positiv auf die Preisentwicklung in Euro-Land auswirken, vor allem auf die Ölpreise, sagte der frühere Wirtschaftsweise der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dagegen warnte Peffekoven davor, dass der steigende Euro-Kurs die sowieso schwache Konjunktur belasten könnte. Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland hänge im Wesentlichen vom Export ab, während die Binnennachfrage außerordentlich schwach sei. Da eine Aufwertung des Euro exporthemmend wirke, "könnte die Konjunktur Schaden nehmen, falls der derzeitige Trend der Wechselkurse anhalte oder sich sogar verstärke". Der Euro könne aber schon bald wieder an Wert verlieren, sagte Peffekoven. Im Wesentlichen sei der steigende Euro-Kurs das Ergebnis nachlassenden Vertrauens in die US-Wirtschaft und den Dollar, sagte Peffekoven. Das sei auch eine Folge des hohen US-Leistungsbilanzdefizits. Deshalb werde jetzt verstärkt in Europa investiert. Dies könne sich aber schnell wieder ändern, weil die enormen finanzpolitischen Probleme der meisten EU-Länder den Euro bald wieder schwächen könnten. (APA/Reuters)