Es gab Zeiten da boomte die Fondsbranche und fast täglich wurden neue Produkte aufgelegt. Diese Tage sind aber lang her und jetzt bekommen viele Fondsgesellschaften des Ergebnis präsentiert: Zu viele Fonds mit zu wenig Fondsvolumen. Zahlreiche Fondsgesellschaften, wie VMR, Oppenheim, Universal Investment, der amerikanische Anbieter Putnam, die österreichische Raiffeisen KAG oder INVESCO haben schon mit der Bereinigung ihrer Fondspalette begonnen und weitere werden mit Sicherheit folgen. Niedriges Fondsvolumen macht Verwaltung unrentabel Das Problem ist klar: Schmilzt das Fondsvolumen aufgrund von Kursverlusten und/oder weil die Anleger dem Fonds den Rücken kehren, so ist die wirtschaftliche Verwaltung der verbliebenen Anlegergelder zumeist nicht mehr möglich. Also muss man kleinere Fonds zusammenlegen oder ganz schließen – letzteres zumeist mit deutlichen Verlusten für die Anleger. Positives Beispiel: Der Wirtschaftblatt AustroStar, der von INVESCO Österreich verwaltet wurde: „Das niedrige Fondsvolumen hat ein effizientes Fondsmanagement kaum mehr möglich gemacht. Deshalb haben wir den Fonds geschlossen noch bevor es für die Anleger kostspielig wurde“, kommentierte Gernot Heitzinger, CIO von INVESCO Österreich, die Einstellung seines Fonds am 2. Mai. Grenze für Rentabilität: 50 Mio. Euro Ab wann es keinen Sinn mehr macht Fonds zu verwalten ist strittig. Profis sagen, dass ein Fonds mindestens 50 Millionen Euro auf die Waage bringen sollte um wirtschaftlich gemanagt zu werden - außer die Fondsgesellschaft will damit ihre Fondspalette abrunden und nimmt deswegen diese Unwirtschaftlichkeit in Kauf. Schuldfrage bleibt offen Wer ist nun aber Schuld an dieser Entwicklung? Die Fondsmanager, weil die Performance so schlecht war? Die Kapitalanlagegesellschaften, weil die Produkte so spezifisch waren? DWS etwa legte im April 2000 den DWS Fonds B2B.com (WKN: 935685) auf, einen Fonds für Internet Werte, die Business to Business Lösungen anbieten – eigentlich eine Perversion des für Fonds so wichtigen Diversifikationsgedankens. In den letzten zwölf Monaten verlor der Fonds dann auch -73 Prozent. Oder aber die Anleger selbst, die solche Produkte gekauft haben? Die Fondsgesellschaften beharren natürlich darauf, nur auf die Nachfrage der Kunden reagiert zu haben. Auf der anderen Seite hat natürlich niemand die Kunden gezwungen diese Fonds zu kaufen. Und vermutlich sind auch die Anlageberater nicht frei von Schuld. Welche Lehren kann man daraus ziehen? Den Kunden wird die Schuldfrage im nachhinein aber ziemlich egal sein. Zukünftig gilt es Fonds mit geringem Volumen bzw. sehr speziellen Anlageideen zu meiden. Auch Fonds, die relativ spät aufgelegt worden sind und einer Investmentidee hinterherlaufen sollte man tendenziell aus dem Weg gehen. Denn für den Anleger ist die Liquidation seines Investments oft negativ: Befindet sich der Fonds gerade in einer Verlustphase, kann der Kunde nicht mehr auf eine bessere Wertentwicklung setzen. Da es aber Fristen für die Bekanntgabe von Fondsschließungen gibt, trifft dies den Anleger wenigstens nicht wie ein Blitz. Chance zum Neuanfang Abschließend könnte man das Ganze auch optimistisch sehen: Die meisten Fondsgesellschaften bieten den Kunden betroffener Fonds einen kostenlosen Wechsel in andere Produkte der Gesellschaft an. Das ermöglicht eine kostenlose Neuausrichtung des Portfolio. Weiters können sich bei Fondsfusionen die fixen Kosten auf eine größere Basis verteilen. Eine Chance zum Neuanfang also...