Wien - Das international tätige Beratungsunternehmen A.T. Kearney warnt die europäische Autozulieferbranche: Die Ertragskraft ist nach Jahren ständiger Zuwächse 2001 um ein Drittel eingebrochen - die Rückgänge sind dabei doppelt so stark ausgefallen wie bei den Autoherstellern selber, ergibt eine am Dienstag vorgestellte A.T.Kearney-Studie. Folge: 36 Prozent der Firmen droht die Pleite. Auch in der österreichischen Zulieferbranche könnte es kurzfristig zu einem Firmensterben kommen, warnen die Consulter.Ein Zehntel der heimischen Industrieproduktion Österreich hat sich in den vergangenen 20 Jahren eine beträchtliche Autozulieferindustrie entwickelt, in der ein Zehntel der heimischen Industrieproduktion erwirtschaftet wird. Rund 300 Firmen produzieren mit etwa 30.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 8 Mrd. Euro. Regionale Schwerpunkte sind Oberösterreich und die Steiermark. Von einigen wenigen Unternehmen wie Magna Steyr abgesehen besteht der Großteil der Branche aus kleinen Unternehmen. "50 bis 80 österreichische Betriebe werden in den nächsten 12 Monaten stark zu raufen haben", meinte Robert Kremlicka, Vice President von A.T. Kearney Austria bei der Vorstellung der Studie in Österreich. Strukturschwächen Die Consultingfirma, für die weltweit 400 Berater ausschließlich für die Autoindustrie tätig sind, stellt der Branche folgende Hauptdiagnose: Nach Jahren steigender Gewinne ist die Ertragskraft der Zulieferindustrie 2001 regelrecht eingebrochen - die Maßzahl für den Cash Flow aus dem eingesetzten Kapital (CFRIC/"Cash Flow Return on Invested Capital") ist im vergangenen Jahr in Europa um 32 Prozent abgesackt. Bei den großen Autoherstellern ging dieser Wert "nur" um 18 Prozent zurück. Dies sei deswegen so besonders dramatisch, weil es im vergangenen Jahr beim Umsatz nicht etwa Rückgänge, sondern Wachstum gegeben habe, warnte A.T.Kearney-Experte Christian Heiss. Schuld an der verfallenden Wettbewerbskraft vieler Zulieferbetriebe seien Strukturschwächen wie hohe Schulden oder die Unfähigkeit/Unmöglichkeit, den Kostendruck "nach unten", an ihre eigenen Lieferanten weiter zu geben. "Brutale Einkaufsmacht" Die Zulieferbetriebe selbst geraten seitens der Autokonzerne zunehmend unter Druck, so Heiss. Die Autokonzerne säßen eben "auf der besseren Seite des Verhandlungstisches", ihre "Einkaufsmacht" sei "absolut brutal". Neben aggressiven Preisreduktionen müssten die Zulieferbetriebe zunehmend aufwändige Entwicklungsarbeiten und kapitalintensive Fertigungen übernehmen, um im Geschäft zu bleiben. Auch ein Teil der steigenden Gewährleistungskosten (u.a. durch Rückrufaktionen) werde auf die Zulieferer überwälzt, skizziert der Experte die Sandwichposition der Zulieferindustrie. Arbeitsteilung und Kooperationen Das drohende Firmensterben unter den schlecht positionierten österreichischen Unternehmen ist kein Schicksal, das die betroffenen Firmen nicht ändern könnten, betonte A.T.Kearney-Experte Kremlicka. Durch Arbeitsteilung und Kooperation unter Kleinunternehmen der gleichen Branche könnten "viele von den negativen Trends umgekehrt werden". Eine Kooperation bei den "Nicht-Kernkompetenzen" wie IT, Finanzen, Einkauf und E-Business bringe für die einzelnen Teilnehmer einer solchen Kooperation Kostenvorteile. A.T. Kearney empfiehlt auch weniger wichtige Teile der Produktion "outzusourcen" und die Auslastung der Anlagen zu steigern. Auf "klare Verlustbringer" solle auch dann verzichtet werden, wenn die Aufträge gegenüber dem Kunden eigentlich von "strategischer" Bedeutung seien. Schließlich müsse sich die Branche auf die Übernahme eines Teils der Gewährleistungskosten einstellen und als Reaktion darauf etwa das Qualitätsmanagement stärken. Schließlich sollten sich die Unternehmen um neue Wachstumsbringer umsehen - etwa mit neuen Produkten für Sicherheit und Komfort oder für die immer wichtiger werdende elektronische Ausstattung des Autos. (APA)