Kinder, die heutzutage in ein SOS-Kinderdorf kommen, haben deutlich mehr Beziehungsabbrüche hinter sich als in den früheren Jahren. Dies ergab eine soeben veröffentlichte Studie, die vom Kinderdorf alle vier Jahre durchgeführt wird.Betreuungsarbeit in erster Linie Beziehungsarbeit Waren zwischen 1993 und 1997 noch insgesamt 52,5 Prozent der aufgenommenen Kinder direkt von ihren Eltern in eines der neun österreichischen SOS-Kinderdörfer gekommen, so ging die Zahl in der Zeit von 1997 bis 2001 auf 26 Prozent zurück. Im Gegensatz dazu stieg der Anteil der Kinder deutlich an, die zuvor bei Pflegeeltern oder in Heimen betreut worden sind. Diese Entwicklung stelle für die SOS-Kinderdorf-Mütter und die anderen Mitarbeiter "eine große Herausforderung" dar, kommentierte der Autor der Studie, Hermann Major, das Ergebnis. Betreuungsarbeit stelle ja in erster Linie Beziehungsarbeit dar. Kinder, die bereits mehrere Beziehungsabbrüche hinter sich haben, würden sich aus Angst vor einer weiteren Enttäuschung zwangsläufig schwerer auf eine neue Bindung einstellen. Immer mehr Eltern stimmen einer Aufnahme in Einrichtung zu Wie die Studie weiter ergab, stimmen nun immer mehr Eltern der Aufnahme ihrer Kinder in ein SOS-Kinderdorf zu (plus 11,2 Prozent), die Anzahl der gerichtlich verfügten Aufnahmen sank im Gegensatz dazu deutlich. Eine SOS-Kinderdorf-Mutter betreut in ihrer Familie durchschnittlich fünf Kinder oder Jugendliche, vor 20 Jahren waren es noch sechs Kinder. Die Betreuungsdauer beträgt im Schnitt über elf Jahre. (APA)