Salzburg - US-Anwalt Ed Fagan bleibt im Zentrum des Interesses, obwohl er - als Zeuge geladen - den Kaprun-Prozess nicht mehr als Beobachter verfolgen kann. Nach seiner Kritik an der Prozessführung und an der verspäteten Übergabe von Akten vergangenen Freitag in Linz steht er nun aber selbst im Kreuzfeuer von Vorwürfen. Verteidiger Wolfgang Brandstetter präsentierte am Dienstag ein Schreiben Fagans an ein New Yorker Gericht, in dem der US-Anwalt behauptet, Beschuldigte würden mit Beamten zusammenarbeiten. Schädigung namhafter Unternehmen Weiters stelle Fagan die Integrität des österreichischen Gerichts infrage und meine, bis dato seien keine Entschädigungen ausgezahlt. "Das ist erwiesenermaßen falsch", so Brandstetter. Fagan versuche unter Vorspiegelung falscher Tatsachen namhafte österreichische Unternehmen zu schädigen. Es bestehe der Verdacht eines "großangelegten Prozessbetruges", zudem seien die Vorwürfe auch "strafrechtlich relevant". Der Vizepräsident des Landesgerichts Salzburg, Philipp Bauer, meint, es liege an der Staatsanwaltschaft, aufgrund einer ausführlichen Darstellung einzuschreiten. Fagan-Kollege in der Kritik Erbost zeigte sich Richter Manfred Seiss über den deutschen Kollegen von Fagan, Rechtsanwalt Michael Witti. Dieser klagte als Privatbeteiligtenvertreter in einer eidesstattlichen Erklärung an dasselbe US-Gericht über die Verzögerung des Prozesses und behauptete, das Strafverfahren in Österreich müsste erst abgeschlossen sein, um zivilrechtliche Forderungen einbringen zu können. Seiss äußerte "große Bedenken", rechtlich sei dies noch dazu falsch. Mehrere Verteidiger beantragten, Witti beim Disziplinaranwalt anzuzeigen. Die Rechtsanwaltskammer werde ein Verfahren prüfen, erklärte darauf Philipp Bauer. Es stehe aber noch nicht fest, ob die österreichische oder die deutsche Rechtsanwaltskammer zuständig ist. Kopierstau In Hinkunft will der Richter jedenfalls auch die Anwesenheit der Privatbeteiligtenvertreter ständig kontrollieren, da es einige gebe, die "mehr Zeit am Kaffeeautomaten als im Gerichtssaal verbringen". Das Kopieren des in der Vorwoche neu aufgetauchten Untersuchungsmaterials der Experten der Kriminaltechnischen Zentralstelle des Innenministeriums dauert noch an. Prozessbeobachter vermuten als Grund für die späte Präsentation gekränkte Eitelkeit auf Beamtenseite. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.7.2002)