Ceuta/Wien - Für die betagte Bäuerin Rajma Lachili ist ganz klar, wem die von Spanien und Marokko beanspruchte Petersilien-Insel gehört: "Meinen Ziegen." Lachili wohnt im marokkanischen Weiler Tsaura, nur wenige hundert Meter von Perejil entfernt. Sie führt ihre Ziegen regelmäßig in einem Boot auf Perejil. Der Petersil, den sie dort fressen, lasse nämlich die sonst eher säuerliche Ziegenmilch zu einem "unvergleichbaren Lebensmittel" werden, sagte Lachili der spanischen Tageszeitung "El Pais" (Dienstagsausgabe). Außerdem bräuchten sie auf der Insel keinen Hirten. Spanien und Marokko liefern sich einen Nervenkrieg um das unbewohnte Felseneiland, seit Rabat es am Donnerstag von einem Dutzend Soldaten "einnehmen" ließ. EU und NATO unterstützen die Forderung Spaniens nach einem Rückzug der Soldaten, was die marokkanische Regierung ablehnt. Schon am Donnerstag ist es zu einer ersten Konfrontation von Sicherheitsleuten beider Seiten an Ort und Stelle gekommen, wie "El Pais" berichtet. Eine von der Exklave Ceuta kommende Bootspatrouille der spanischen Zivilwache (Guardia civil) habe bei Perejil Fotos von den "Besatzern" machen wollen und sei dabei auf ein Boot der marokkanischen Marine getroffen. Deren Kommandant habe die spanischen Sicherheitsleute gewarnt, dass die rund acht marokkanischen Soldaten auf der Insel sie mit Soldaten verwechseln "und auf euch schießen werden". Außerdem machte er die Spanier darauf aufmerksam, "dass dies marokkanische Gewässer sind, man muss um Erlaubnis fragen." Die zweiminütige Begegnung endet dennoch mit einem Händedruck der beiden Kommandanten. Perejil liegt in marokkanischen Territorialgewässern, wird aber von Spanien beansprucht. Es wurde ihm nämlich im Jahr 1668 gemeinsam mit der etwa 11 Kilometer entfernt am afrikanischen Festland liegenden Stadt Ceuta von Portugal abgetreten. Allerdings ist die rund 150.000 Quadratmeter große Insel offiziell keiner spanischen Verwaltungseinheit zugeordnet. Die alte Bäuerin sieht den Streit zwischen der ehemaligen Kolonialmacht und deren ehemaligen Untertanen gelassen. Während des Protektorats in Nordmarokko habe sie für spanische Soldaten gekocht, genauso wie sie dies nun für die Marokkaner tue. In der Nähe von Tsaura befindet sich ein kleiner Militärstützpunkt. (APA)