Belvedere
Wien - Das Geistige ist das "Entscheidende", das der österreichische Bildhauer Josef Pillhofer (81) in seinen Kopfskulpturen und -zeichnungen erfahrbar machen will. Dorthin führen ihn parallele Wege: Immer wieder mit "fast postmodernem" (Kurator Franz Smola) Gestus changierend, erarbeitete der Steirer, der in den 50er Jahren gleichzeitig mit Fritz Wotruba als erster die abstrakte Form aufnahm, parallel realistisch-naturnahe sowie abstrakt-verdichtete Kopfformen, von denen von morgen, Mittwoch, bis zum 22. 9. rund 50 Skulpturen und 30 Arbeiten auf Papier von der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere ausgestellt werden. Die "möglichst reine Form" "Ausgangspunkt ist immer die Erscheinung", schilderte Pillhofer, Mitbegründer der "Gruppe 59" um Oswald Oberhuber, Adolf Frohner und Otto Muehl, selbst bei der Präsentation der Ausstellung, deren Erstellung für ihn auch zum "räumlichen Arbeitsprozess" wurde, an dem er selbst viel mitarbeitete. Der "Perfektion der Formulierung" des Menschen als geistiges Wesen nähern sich Pillhofers naturnahe Kopf-Abbildungen, unter anderem eine Karl-Popper-Skulptur, die nach einigen Transportwirren letztendlich doch in der London School of Economics aufgestellt werden konnte und von der eine Studie in der Ausstellung gezeigt wird. "Das Komplizierte verdichten und vereinfachen" zur "möglichst reinen Form" ist dann das Ziel der kubistisch-blockhaften abstrakten Köpfe Pillhofers. Bronze, Holz, Stein und, in dem für die Schau konzipierten neuen "Roten Kopf" (2001), Eisen dienen Pillhofer als Material für seine Köpfe, die sich "von innen nach außen" definieren (Smola) und in ihrem Verhältnis zum umgebenden Raum auf Pillhofers hoch reflektierenden Arbeitsprozess verweisen. "Beziehung zur Natur" Der spätere Professor für Bildhauerei an der Grazer Kunstgewerbeschule und Ordinarius für künstlerisches Gestalten an der Technischen Universität Graz hatte persönlichen Kontakt mit den Bildhauern der Ecole de Paris (Henri Laurens, Constantin Brancusi) und mit Alberto Giacometti. Den Ursprung seiner Kunst sieht Pillhofer in der "unmittelbaren Beziehung zur Natur", bleibende Formeindrücke verschaffte ihm sein frühes Malen der Berge um seinen Wohnort Mürzzuschlag. Als "pseudopsychologische Spekulation" tat Pillhofer auch demnach die Frage danach ab, ob sich nach den Anschlägen in den USA vom Vorjahr seine Kunst geändert habe: "Ich bin nicht der Meinung, dass die Natur oder der Mensch sich nach dem 11. September geändert haben. Ich beschäftige mich mit dem, was unberührt ist". Pillhofer, geboren am 1. 6. 1921 in Wien, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis (1968), dem Preis der Stadt Wien (1979) und dem Würdigungspreis des Landes Steiermark (1983). (APA)