Bagdad/Ankara - Der Irak hat in Erwartung eines US-Angriffs die arabischen Staaten zur Solidarität aufgerufen. Außenminister Naji Sabri erklärte im Fernsehen, man werde "jedem Aggressor den Kopf abschlagen". In Fragen der "Verteidigung der Würde und der vitalen Interessen der Nation" könne es keine Flexibilität geben. Die USA bemühen sich unterdessen um Unterstützung eines Militärschlags gegen den Irak durch die Türkei. Gerüchte über eine Militäroperation haben am Dienstag die Aktienmärkte nach unten gedrückt. Die amerikanischen Drohungen seien nicht nur gegen sein Land, sondern auch gegen andere arabische Länder gerichtet, hob der irakische Außenminister in seiner Fernsehrede hervor. Aus irakischer Sicht habe es keinen Sinn, sich mit den Vereinten Nationen auf eine Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren zu einigen, wie dies von einigen arabischen Staatschefs empfohlen worden war. Schließlich habe US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärt, auch dies könne einen US-Angriff auf Bagdad nicht verhindern. US-Präsident George W. Bush hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, die USA würden alle verfügbaren Mittel einsetzen, um den irakischen Staatschef Saddam Hussein zu stürzen. "Mutiger Widerstand am Boden" Bush habe nicht nur dem Irak gedroht, sondern auch Syrien, dem Libanon "und anderen", sagte Sabri. Bei einem US-geführten Luftangriff im Südirak ist nach irakischen Angaben vom Montag ein Mensch getötet worden. Ein Militärsprecher sagte der amtlichen irakischen Nachrichtenagentur INA, amerikanische und britische Kampfflugzeuge hätten am Sonntagabend zivile Einrichtungen in der Provinz Najaf angegriffen, rund 160 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bagdad. Neben einem Todesopfer habe es sechs Verletzte gegeben. Der Militärsprecher erklärte, "mutiger Widerstand am Boden" habe die Flugzeuge zum Rückzug aus dem irakischen Luftraum gezwungen. Der jordanische König Abdullah II. und der ägyptische Präsident Hosni Mubarak haben erneut vor einem US-Angriff auf den Irak gewarnt. Vor allem angesichts der explosiven Lage in den Palästinensergebieten könne ein gewaltsamer Sturz der Regierung in Bagdad durch eine Militärintervention weit reichende politische Konsequenzen für die gesamte Region haben, erklärte der König. US-Kriegspläne US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz nahm am Dienstag in Ankara Gespräche über eine türkische Beteiligung an einem möglichen Angriff auf den Irak auf. Das einzige moslemische NATO-Mitglied Türkei gilt als mögliches Stationierungsgebiet für Truppen der verbündeten USA. Der türkische Vizepremier Mesut Yilmaz hatte am Sonntag gesagt, dass sich Ankara darauf einstellen müsse, dass ein US-Angriff auf den Irak "früher oder später" kommen werde. Er warnte zugleich vor den negativen Folgen einer solchen Aktion für die Stabilität in der Region. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gab unterdessen bekannt, dass die USA derzeit ihre Pläne für einen möglichen Angriff auf den Irak überarbeiteten. Dies sei Bestandteil einer Prüfung und Aktualisierung von Dutzenden von "Kriegsplänen", sagte Rumsfeld am Dienstag dem US-Fernsehsender CNBC. (APA/AP/Reuters)