Stuttgart - Nach jahrelangen Recherchen soll in diesem Jahr die Rekonstruktion der umfangreichen Bibliothek von Walter Benjamin (1892-1940) abgeschlossen werden. Der Stuttgarter Antiquar Herbert Blank hat nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) innerhalb der vergangenen 16 Jahre einen Katalog mit rund 1.000 Titeln zusammen gestellt. Blank hatte zuletzt die Büchersammlung Franz Kafkas erstellt, die im Mai von der Porsche AG gekauft und der Prager Franz-Kafka-Gesellschaft übergeben worden war. Die Bibliothek Benjamins war in den Wirren des Exils verloren gegangen. Im Nachlass des Schriftstellers im Osten Berlins sei er schließlich fündig geworden, zitierte der SWR am Dienstag den Antiquar. In einem handschriftlichen Verzeichnis gelesener Bücher habe Benjamin etwa 1.000 Titel aufgeführt. Weitere Quellen seien die Literaturverzeichnisse von Benjamins veröffentlichten Büchern. Um die Bibliothek wie bereits bei Kafka zusammenzuhalten, macht sich Blank nun auf die Suche nach einem Sponsor. Der gebürtige Berliner Jude Walter Benjamin war Philosoph, Essayist und Literaturkritiker. Zu seinen Hauptwerken gehören der "Ursprung des deutschen Trauerspiels", mit dem er sich erfolglos zu habilitieren versuchte, und "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit". Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Benjamin nach Paris, wo er am "Passagenwerk" arbeitete - einem Zitatenkonvolut, mit dem er die Epoche des 19. Jahrhunderts und den Kapitalismus nachzuzeichnen versuchte. Auf der Flucht vor den Deutschen nahm sich Benjamin 1940 in dem spanischen Grenzort Port Bou das Leben. (APA)